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Geschichte des Reifens - Teil 10 - Reifen in der High-Tech Ära

Gepostet von Torsten Kühne am 28.05.2017 10:16:00

Schon kurz nach Kriegsende 1946 sorgt Michelin für einen Meilenstein in der Reifentechnologie: Das Patent für den Radialreifen mit Stahlgürtel, dessen Karkassfäden im rechten Winkel zur Laufrichtung angeordnet sind, revolutioniert den Reifenbau. Damit wurde die Laufleistung noch einmal verdoppelt, die Lenkpräzision wuchs in ungekannte Höhen, so sehr, dass die Fahrzeuglenkung und die Radaufhängung angepasst werden mussten, um die Vorteile der Fahrzeugkontrolle nutzen zu können. Das war zum ersten Mal in den 50er Jahren der Fall und wurde in den Siebziger Jahren zum Standard. Wegen der Patentfrist mussten die Konkurrenten 15 Jahre lang warten, bis sie diese Technologie für sich nutzen konnten. Reifenhersteller Goodyear setzt 1968 noch eine Zwischenstufe, den Bias-belted-Reifen ein, der auf einer Diagonal-Karkasse einen Glasfiber-Gürtel hat. Doch der moderne Reifen rollt schlauchlos auf einem radialen Stahlgürtel, besteht aus Synthese- und Naturkautschuk und beinhaltet zahlreiche neue Materialien wie Polyester, Kevlar und andere, die das Gewicht vermindern und den Rollwiderstand verringern, was seit der Ölkrise 1973 ein immer wichtigeres Entwicklungsziel ist. Außerdem entwickeln Reifeningenieure immer ausgeklügeltere Profilstrukturen, um die Nässehaftung und das Aquaplaningverhalten zu verbessern.

Schnelle Fahrzeuge brauchen schnelle Reifen

Die Herausforderung stellte die Fahrzeugindustrie, die immer schnellere und stärkere Fahrzeuge in den Markt bringt. Geschwindigkeiten von über 200 km/h auf unlimitierten Autobahnstrecken sind seit den 80er Jahren keine Seltenheit mehr und nur mit modernen Reifen möglich. Im Zuge dessen kommen auch sogenannte “Niederquerschnittreifen” bei sportlichen Fahrzeugen in Mode, die Pirelli als erster Hersteller einsetzt. Mittlerweile hat sich ein Querschnittverhältnis von etwa 40 als “praktische” Untergrenze für Pkw herausgestellt. Die Industrie differenziert das Reifenangebot immer stärker, in Sommerreifen und Winterreifen, Sport- und Touringreifen in pannensichere Reifen, die auch bei extremen Unterdruck noch fahrbar sind (Conti CTS, PAX, Runflat).

Fortschritt durch Silika

Der mischungstechnisch jüngste Meilenstein liegt seit den neunziger Jahren in der Einführung von Silika als Füllstoff, wodurch der Rollwiderstand und die Nässehaftung zugleich verbessert werden und damit ein traditioneller Zielkonflikt der Reifentechnologie auf ein höheres Niveau gehoben werden konnte. Und neben der Technik verändert sich der Markt extrem: Nur noch drei Reifenhersteller beherrschen rund 40 Prozent des Weltmarktes. Die Digitalisierung zieht in die Reifenbranche ein. Und wie sieht die Zukunft des Reifens aus? - Davon gibt die Industrie auf jeder Messe durch sogenannte Konzeptreifen eine Vorstellung. Wobei eines sicher ist: Der Reifen bleibt rund.

 

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Reifenzukunft: Konzeptreifen von Goodyear auf dem Genfer Autosalon.

 

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Themen: Reifengeschichte - wie alles anfing


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