Ein Verbandskasten im Auto ist mehr als nur eine Pflicht – er kann im Ernstfall Leben retten. Ob kleiner Schnitt, schwere Verletzung oder Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Unfall: Wenn es schnell gehen muss, zählt jede Sekunde. Deshalb schreibt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) vor, dass jedes Auto in Deutschland einen gültigen Verbandskasten mitführen muss. Was genau drin sein muss, regelt die DIN 13164.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Inhalte vorgeschrieben sind, wie lange ein Verbandskasten im Auto gültig ist, wo du das Ablaufdatum findest, welche Bußgelder drohen und wie du beim Kauf oder Austausch alles richtig machst.
Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (§ 35h StVZO) macht klare Vorgaben: Jeder, der in Deutschland mit einem Auto unterwegs ist, muss einen vollständigen und gültigen Verbandskasten mitführen. Diese Pflicht dient nicht nur der Erfüllung gesetzlicher Vorschriften, sondern kann im Notfall entscheidend sein. Dabei gibt es genaue Regeln, wer betroffen ist, welche Fahrzeuge ausgenommen sind und wo der Verbandskasten im Auto am besten verstaut wird.
In Deutschland gilt die Mitführpflicht für alle Pkw, Lkw und Busse. Bei Bussen mit mehr als 22 Sitzplätzen ist sogar ein zweiter Verbandskasten vorgeschrieben. Die Vorschrift gilt unabhängig davon, ob du privat oder gewerblich unterwegs bist.
Von der Mitführpflicht eines Verbandskastens ausgenommen sind:
Motorräder
Krankenfahrstühle
Krafträder
Zug- und Arbeitsmaschinen in der Land- oder Forstwirtschaft
Andere einachsige Zug- oder Arbeitsmaschinen
Am sichersten ist der Verbandskasten im Kofferraum oder unter dem Beifahrersitz verstaut – an einem leicht zugänglichen, trockenen und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützten Ort. So bleibt das Material länger haltbar und ist im Notfall schnell griffbereit.
Die DIN 13164 legt genau fest, welche Bestandteile in einem Verbandskasten für Autos enthalten sein müssen. Diese Norm sorgt dafür, dass alle wichtigen Materialien für eine Erste-Hilfe-Versorgung schnell griffbereit sind. Neben den vorgeschriebenen Inhalten gibt es auch sinnvolle Zusatzutensilien, die nicht verpflichtend sind, aber im Notfall helfen können.
Das Erste-Hilfe-Set im Auto muss der DIN 13164 entsprechen – zulässig sind die Ausgaben Januar 1998, Januar 2014 oder die aktuelle Fassung vom Februar 2022. Ein Kfz-Verbandkasten nach DIN 13164 (Ausgabe Februar 2022) enthält:
1 Heftpflaster, auf Rolle, 5 m x 2,5 cm
4 Wundschnellverbände, 10 cm x 6 cm
2 Fingerkuppenverbände
2 Fingerverbände, 12 cm x 2 cm
2 Pflasterstrips, 12 cm x 2 cm
4 Pflasterstrips, 1,9 cm x 7,2 cm
4 Pflasterstrips, 2,5 cm x 7,2 cm
1 Verbandpäckchen, klein (K)
2 Verbandpäckchen, mittel (M)
1 Verbandpäckchen, groß (G)
2 Gesichtsmasken, mindestens Typ 1
1 Verbandtuch, 60 cm x 80 cm
6 Kompressen, 10 cm x 10 cm
2 Fixierbinden, 4 m x 6 cm
3 Fixierbinden, 4 m x 8 cm
1 Dreiecktuch
1 Rettungsdecke, 210 cm x 160 cm
1 Erste-Hilfe-Schere
4 Einmalhandschuhe (nach DIN EN 455)
1 Erste-Hilfe-Broschüre
2 Feuchttücher zur Hautreinigung
Obwohl diese Begriffe oft durcheinandergebracht werden, erfüllen sie unterschiedliche Funktionen. Die folgende Tabelle zeigt dir die Unterschiede auf einen Blick:
Bestandteil | Beschreibung | Typischer Einsatzbereich | Steril oder unsteril |
---|---|---|---|
Verbandpäckchen | Kombination aus steriler Wundauflage und elastischer Mullbinde | Versorgung von größeren Wunden, Fixierung der Wundauflage | Steril |
Verbandtuch | Größeres, meist unsteriles Tuch aus Baumwolle oder Vlies | Abdeckung, Fixierung, Polsterung oder als Tragehilfe | Unsteril |
Kompresse | Sterile Wundauflage ohne Befestigung | Direkte Abdeckung kleinerer oder größerer Wunden, Blutstillung | Steril |
Zusätzlich zu den vorgeschriebenen Materialien können Hilfsmittel wie eine Beatmungsmaske, Kühlkompressen, eine Taschenlampe oder eine Warnweste sinnvoll sein. Diese sind nicht Teil der DIN-Vorgaben, erhöhen aber die Sicherheit und Einsatzbereitschaft im Ernstfall.
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Ein Verbandskasten hat kein unbegrenztes Haltbarkeitsdatum. Pflaster, Binden und sterile Kompressen verlieren mit der Zeit ihre Klebekraft oder Sterilität. Deshalb schreibt die DIN 13164 vor, dass alle Bestandteile bis zu einem bestimmten Datum verwendbar sein müssen. Wer mit einem abgelaufenen Verbandskasten unterwegs ist, riskiert bei einer Polizeikontrolle ein Bußgeld – auch wenn nicht alle Beamten dieses in der Praxis verhängen.
Ein neuer Verbandskasten sollte beim Kauf noch mindestens vier Jahre haltbar sein. Das Ablaufdatum ist verbindlich und bezieht sich auf die sterilen Bestandteile wie Kompressen und Verbandpäckchen. Nach Ablauf dieses Datums gilt der Verbandskasten als nicht mehr vorschriftsmäßig.
Das Verfallsdatum ist in der Regel gut sichtbar auf der Außenseite des Verbandskastens oder auf einzelnen Verpackungen der Inhalte aufgedruckt. Bei manchen Modellen befindet es sich auch auf einem Aufkleber im Inneren. Achte darauf, das Datum regelmäßig zu kontrollieren – am besten einmal pro Jahr, zum Beispiel beim Reifenwechsel.
Wenn nur einzelne Bestandteile abgelaufen sind, musst du nicht zwingend den gesamten Verbandskasten ersetzen. Viele Hersteller und Händler bieten Nachfüllsets an, die alle abgelaufenen Teile in passender Menge enthalten. So sparst du Geld und stellst sicher, dass dein Verbandskasten weiterhin den gesetzlichen Vorschriften entspricht.
Wer ohne gültigen Verbandskasten unterwegs ist, verstößt gegen die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Auch wenn die Strafen im Vergleich zu anderen Verkehrsverstößen gering erscheinen, können sie bei wiederholten Kontrollen oder zusätzlichen Mängeln schnell teurer werden. Deshalb lohnt es sich, den Verbandskasten regelmäßig zu überprüfen und rechtzeitig zu erneuern.
Wird bei einer Polizeikontrolle festgestellt, dass du keinen Verbandskasten mitführst, kostet das aktuell 5 Euro. Bei mehrfachen Verstößen oder in Verbindung mit weiteren Mängeln am Fahrzeug kann die Strafe jedoch deutlich höher ausfallen.
Rein rechtlich gilt ein abgelaufener Verbandskasten als nicht mehr vorschriftsmäßig. In der Praxis liegt es im Ermessen der kontrollierenden Beamten, ob ein Bußgeld verhängt wird. Häufig wird lediglich eine Verwarnung ausgesprochen, dennoch solltest du dich nicht darauf verlassen.
Bei einer Kontrolle prüfen die Beamten in der Regel, ob der Verbandskasten vollständig und das Ablaufdatum noch gültig ist. Am einfachsten lässt sich das durch den Aufdruck auf der Verpackung nachweisen. Fehlen Teile oder ist das Datum überschritten, kann die Polizei eine Mängelkarte ausstellen und eine erneute Vorführung des Fahrzeugs verlangen.
Ein neuer Verbandskasten ist schnell besorgt, doch nicht jeder erfüllt automatisch die gesetzlichen Anforderungen. Achte darauf, dass das Modell der aktuellen DIN 13164 entspricht und alle vorgeschriebenen Bestandteile enthält. Nur so bist du im Ernstfall abgesichert und vermeidest Probleme bei Polizeikontrollen oder der Hauptuntersuchung.
Auf der Verpackung muss die Norm DIN 13164 angegeben sein
Möglichst langes Haltbarkeitsdatum wählen, um baldigen Austausch zu vermeiden
Robuste, hitzebeständige Box bevorzugen, besonders bei Fahrten in heißen oder kalten Regionen
Prüfen, ob alle vorgeschriebenen Bestandteile vollständig enthalten sind
Auf gute Verarbeitung und reißfeste Verpackung achten, damit der Inhalt lange intakt bleibt