Lange Standzeiten gehören bei Wohnwagen und Anhängern zum Alltag. Ob im Winterlager, beim Dauercamping oder zwischen zwei Urlauben – oft stehen die Fahrzeuge wochen- oder monatelang unbewegt. Genau in dieser Zeit entstehen häufig Standplatten an den Reifen.
Standplatten sind kein seltenes Problem und werden oft erst beim ersten Losfahren bemerkt. Dieser Ratgeber zeigt dir kompakt und praxisnah, wie Standplatten entstehen, woran du sie erkennst und was du tun kannst, um sie bei langen Standzeiten zuverlässig zu vermeiden.
Standplatten sind Verformungen am Reifen, die entstehen, wenn ein Fahrzeug über längere Zeit unbewegt steht. Der Reifen wird dabei dauerhaft an derselben Stelle belastet und kann sich nicht mehr vollständig in seine ursprüngliche runde Form zurückziehen. Besonders häufig treten Standplatten bei Wohnwagen und Anhängern auf, da sie oft monatelang ohne Bewegung abgestellt werden.
Im Gegensatz zu normalen Abnutzungserscheinungen entstehen Standplatten nicht durch Fahren, sondern allein durch Stillstand. Je länger die Standzeit, desto größer ist das Risiko, dass sich die Reifen dauerhaft verformen.
Ein Reifen besteht aus Gummi, Karkasse und Gewebeeinlagen. Diese Materialien reagieren auf Druck, Temperatur und Zeit. Steht ein Wohnwagen lange auf derselben Stelle, wirkt das gesamte Gewicht konstant auf einen kleinen Bereich des Reifens.
Typische Einflussfaktoren sind:
Der Reifendruck hat großen Einfluss darauf, ob Standplatten entstehen. Ist der Druck zu niedrig, gibt der Reifen stärker nach und die Aufstandsfläche wird größer. Dadurch steigt die Gefahr einer dauerhaften Verformung.
Gleichzeitig wirken bei Wohnwagen hohe Punktlasten auf die Reifen, da:
Je höher die Belastung und je geringer der Reifendruck, desto schneller können Standplatten entstehen.
Tipp zur Reifenwahl beim Wohnwagen:
Nicht jeder Reifen ist für lange Standzeiten geeignet. Neben Tragfähigkeit und Größe spielt auch die Gummimischung eine wichtige Rolle, wenn du Standplatten vermeiden möchtest. Wie du die passenden Reifen für deinen Wohnwagen auswählst und worauf es dabei wirklich ankommt, erfährst du im Ratgeber Die passenden Reifen für den Wohnwagen.
Viele gehen davon aus, dass Standplatten erst nach sehr langer Zeit entstehen. Tatsächlich können erste Verformungen bereits nach wenigen Wochen auftreten.
Zur groben Einordnung:
| Standzeit | Einschätzung |
|---|---|
| bis 4 Wochen | meist unkritisch |
| 1–3 Monate | erste Standplatten möglich |
| mehrere Monate | hohes Risiko für dauerhafte Schäden |
Der Winter ist eine besonders kritische Phase für Standplatten und andere Standschäden. Kalte Temperaturen machen das Gummi härter und weniger elastisch. Dadurch kann sich der Reifen schlechter an seine ursprüngliche Form anpassen.
Zusätzliche winterliche Risikofaktoren sind:
Gerade im Winterlager entstehen Standplatten oft unbemerkt, da der Wohnwagen erst im Frühjahr wieder bewegt wird. Umso wichtiger ist es, bereits vor der Einlagerung Maßnahmen zu treffen, um Standplatten und andere Standschäden zu vermeiden.
Standplatten sind im Stand oft kaum sichtbar. Deutlich bemerkbar machen sie sich meist erst beim Fahren.
Typische Anzeichen sind:
Ein kurzes Praxisbeispiel:
Nach dem Winterlager fühlt sich der Wohnwagen auf den ersten Kilometern holprig an. Wird das Fahrverhalten schnell besser, handelt es sich meist um eine leichte, vorübergehende Standplatte.
Bleiben die Symptome jedoch dauerhaft bestehen, ist Vorsicht geboten.
Leichte Standplatten sind in vielen Fällen unkritisch und verschwinden nach kurzer Fahrzeit. Ausgeprägte oder dauerhafte Standplatten können jedoch die Fahrsicherheit beeinträchtigen.
Ein Reifen sollte geprüft oder ersetzt werden, wenn:
Gerade bei Wohnwagen und Anhängern gilt: Im Zweifel lieber früher reagieren als zu spät.
Standplatten lassen sich mit überschaubarem Aufwand oft vermeiden. Entscheidend ist die Kombination mehrerer Maßnahmen.
Ein korrekter oder leicht erhöhter Reifendruck reduziert die Verformung des Reifens deutlich.
Schon kleine Positionsänderungen helfen:
Diese Maßnahme ist einfach und sehr effektiv.
Zusätzliche Entlastung kann helfen, sollte aber mit Bedacht erfolgen:
Aufbocken kann bei sehr langen Standzeiten sinnvoll sein, sollte aber fachgerecht erfolgen. Kurbelstützen allein sind nicht dafür ausgelegt, dauerhaft das Fahrzeuggewicht zu tragen.
Unterlagen wie Gummimatten oder spezielle Reifenunterlagen können die Belastung reduzieren, ersetzen jedoch keine grundlegenden Maßnahmen wie richtigen Reifendruck oder Bewegung.
Neben Styropor gibt es verschiedene andere Materialien, die als Unterlage gegen Standplatten genutzt werden. Entscheidend ist, dass das Material formstabil bleibt und die Last gleichmäßig verteilt.
Gängige Unterlagen im Vergleich:
| Unterlage | Eigenschaften | Eignung bei langer Standzeit |
|---|---|---|
| Styropor | weich, günstig | eingeschränkt |
| Gummimatten | elastisch, formstabil | gut geeignet |
| Holzplatten | stabil, kaum nachgiebig | bedingt geeignet |
| spezielle Reifenunterlagen | lastverteilend, rutschfest | sehr gut geeignet |
Gummimatten oder spezielle Reifenunterlagen bieten meist die beste Kombination aus Elastizität und Stabilität. Sie verformen sich kontrolliert, ohne dauerhaft nachzugeben, und verteilen die Last gleichmäßiger als harte Untergründe.
Ob sich Standplatten wieder beheben lassen, hängt vor allem von der Dauer der Standzeit und davon ab, wie stark sich der Reifen bereits verformt hat. Nicht jede Standplatte ist automatisch dauerhaft. Gerade nach kürzeren Standzeiten kann sich der Reifen durch Bewegung und Erwärmung wieder teilweise oder sogar vollständig in seine ursprüngliche Form zurückziehen.
Gute Chancen bestehen vor allem dann, wenn:
In diesen Fällen verschwinden leichte Standplatten oft nach den ersten Fahrten, sobald der Reifen wieder regelmäßig belastet wird.
Bleiben Vibrationen oder ein unruhiger Lauf jedoch auch nach längerer Fahrt bestehen, spricht das meist für bleibende Standplatten. Solche dauerhaften Verformungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen und können die Fahrsicherheit beeinträchtigen. In diesem Fall ist es ratsam, den Reifen fachlich prüfen zu lassen und ihn aus Sicherheitsgründen zu ersetzen.
Standplatten entstehen durch lange Standzeiten unter gleichbleibender Belastung, lassen sich aber gut vermeiden. Mit richtigem Reifendruck, gelegentlicher Bewegung und einer sinnvollen Vorbereitung auf Winterlager oder Dauercamping schützt du deine Reifen effektiv. Wer Standzeiten nicht unterschätzt und regelmäßig kontrolliert, erhöht die Sicherheit und verlängert die Lebensdauer von Wohnwagen- und Anhängerreifen deutlich.
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