Du hast für dein Auto Reifen mit Lastindex 94 gefunden, im Fahrzeugschein steht aber 91. Darfst du die montieren, und was bringt dir das? Genau diese Frage klären wir hier, dazu was die Buchstaben wie V oder W bedeuten und was bei Überladung mit deinen Reifen passiert.
Bevor du entscheidest, ob ein höherer Wert erlaubt ist, brauchst du die Basis: Jeder Reifen trägt nur eine bestimmte Last, und dieser Wert steht direkt auf der Flanke. Wer hier nur auf Breite und Profil schaut, übersieht die wichtigste Sicherheitsangabe.
Der Lastindex (auch Tragfähigkeitsindex oder Load Index) ist die Zahl direkt vor dem Geschwindigkeits-Buchstaben. Bei der Größe „205/55 R16 91V" steht die 91 für eine Tragfähigkeit von 615 kg pro Reifen. Auf alle vier Reifen gerechnet ergibt das eine zulässige Gesamtlast von 2.460 kg. Wie stark der Reifen wirklich trägt, hängt zusätzlich vom Luftdruck ab: zu wenig oder zu viel Druck senkt die Tragfähigkeit spürbar.
Die folgende Lastindex-Tabelle zeigt die gängigsten Werte und die jeweilige Tragkraft pro Reifen. Die vollständige Tabelle findest du auch im Fahrzeugschein und in der Bedienungsanleitung deines Autos.
| Lastindex | Tragfähigkeit pro Reifen (kg) |
| 85 | 515 |
| 88 | 560 |
| 91 | 615 |
| 94 | 670 |
| 97 | 730 |
| 99 | 775 |
| 100 | 800 |
| 102 | 850 |
Eine Reifenkennzeichnung wie „91V" verbindet zwei Angaben: Die Zahl ist der Lastindex, der Buchstabe der Geschwindigkeitsindex. Die 91 steht also für 615 kg Tragfähigkeit, das V für eine Freigabe bis 240 km/h. Bei „94V" sind es entsprechend 670 kg und ebenfalls 240 km/h, bei „91W" 615 kg und bis 270 km/h. Erst beide Werte zusammen ergeben die Belastungsgrenze deines Reifens. Was die einzelnen Buchstaben im Detail bedeuten, erklärt der gesonderte Überblick zum Geschwindigkeitsindex der Reifen.
Das ist die Frage, die die meisten Autofahrer hierher führt: Im Schein steht ein Wert, im Angebot ein anderer. Die kurze Antwort vorweg, danach die Begründung und die Ausnahme, bei der es eng wird.
Ja. Ein höherer Lastindex als der vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene ist zulässig. Steht für dein Auto Index 91, kannst du auch Reifen mit 94 oder 97 montieren. Diese tragen mehr und schaffen zusätzliche Sicherheitsreserve. Der Geschwindigkeitsindex darf dabei den vorgeschriebenen Wert ebenfalls erreichen oder übertreffen, aber nicht unterschreiten.
Spürbaren Nutzen bringt der höhere Index, wenn du regelmäßig mit viel Gewicht unterwegs bist: voll besetztes Auto, schwerer Kofferraum, Dachbox oder Anhängerbetrieb. Der Preis dafür ist meist ein etwas härterer Federungskomfort, weil die Karkasse stabiler gebaut ist. Wer überwiegend leer und allein fährt, gewinnt durch einen höheren Index dagegen wenig.
Ein niedrigerer Lastindex als vorgeschrieben ist nicht erlaubt und ein echtes Risiko. Der Reifen wird dann dauerhaft über seine Grenze belastet, heizt sich auf und kann im schlimmsten Fall platzen. Bei der Hauptuntersuchung führt ein zu niedriger Index zudem zur Beanstandung.
Luftdruck bestimmt die echte Tragfähigkeit
Selbst der passende Lastindex nützt wenig bei falschem Reifendruck. Die richtigen Werte stehen auf dem Aufkleber in der Fahrertür oder im Tankdeckel, oft mit eigener Angabe für den beladenen Zustand. Ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) warnt dich, sobald der Druck abfällt.
Wenn du anhand von Index und Druck die passende Größe gefunden hast, kannst du sie direkt bei einer Werkstatt in deiner Nähe montieren lassen.
Lastindex und Luftdruck stimmen, trotzdem kann die Last zum Problem werden, wenn das Fahrzeug überladen ist. Gerade auf Urlaubsfahrten oder mit Anhänger wird die zulässige Gesamtlast schneller überschritten als gedacht.
Trägt der Reifen dauerhaft mehr als erlaubt, entsteht zu viel Hitze, die Karkasse verformt sich. Diese sogenannte Walkarbeit kann die Struktur so weit schwächen, bis der Reifen reißt oder platzt. Konkret bedeutet Überladung:
Bei Anhängern ist das besonders kritisch, weil deren Reifen oft stärker beansprucht werden als die am Auto. Wie du dabei zusätzlich Standplatten vermeidest, zeigt der Beitrag zu Standplatten bei Wohnwagen und Anhänger.
Überlastung kündigt sich meist an, bevor etwas passiert. Achte auf diese Anzeichen:
Vor einer langen Fahrt lohnt der prüfende Blick. Welche Punkte dabei sonst noch zählen, fasst der Auto-Check vor der Urlaubsfahrt zusammen.
Neben dem Gewicht ist Tempo der zweite Faktor, der den Reifen an seine Grenze bringt. Je schneller du fährst, desto höher Fliehkräfte und Hitze im Gummi. Der Geschwindigkeitsindex sagt dir, was der Reifen dabei verträgt.
Der Buchstabe nach dem Lastindex gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit an. Die gängigen Werte:
| Index | Max. Geschwindigkeit |
| T | 190 km/h |
| H | 210 km/h |
| V | 240 km/h |
| W | 270 km/h |
| Y | 300 km/h |
| ZR | über 240 km/h, je nach Hersteller bis 300+ km/h |
Wie der Index montiert sein muss und welche Toleranzen gelten, vertieft der Überblick zum Geschwindigkeitsindex der Reifen.
Fährst du dauerhaft schneller als der Index erlaubt, verliert der Reifen an Strukturfestigkeit und kann reißen. Ein Reifenplatzer auf der Autobahn zählt zu den gefährlichsten Situationen im Verkehr, kündigt sich aber oft vorher an: durch Flattern am Lenkrad, ein schwammiges Fahrgefühl oder Beulen an der Flanke. Bemerkst du das, reduzierst du das Tempo und prüfst den Reifen. Welche Ursachen einen Reifen platzen lassen, ist hier im Detail beschrieben.
Lies an deiner aktuellen Reifenflanke Lastindex und Geschwindigkeitsindex ab und gleiche beide mit dem Fahrzeugschein ab. Beim nächsten Kauf gilt: gleicher oder höherer Lastindex, gleicher oder höherer Geschwindigkeitsindex, passender Druck. Wie alt deine Reifen dabei sind, verrät die DOT-Nummer auf der Flanke. Mit den richtigen Werten findest du das passende Modell und lässt es vor Ort montieren.