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Notrad und Ersatzrad: Typen, Tempolimits, Reichweite und Kaufberatung

Geschrieben von Reifen vor Ort Redaktion | 14.04.2026 07:00:00

Eine Reifenpanne trifft dich selten zu einem günstigen Zeitpunkt. Entscheidend ist dann, wie gut du vorbereitet bist – und was genau im Kofferraum liegt. Ob schmales Notrad, vollwertiges Ersatzrad oder gar kein Reserverad: Die Unterschiede sind größer, als viele vermuten. Wer die Eigenschaften und Einschränkungen seines Reserverades kennt, bleibt im Pannenfall handlungsfähig.

Was ist der Unterschied zwischen Notrad und Ersatzrad?

Beide Begriffe werden im Alltag häufig synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Konzepte. Das Notrad – auch Reserverad oder „Skinny Spare" genannt – ist ein deutlich schmaleres und leichteres Rad, das ausschließlich für den Notfall gedacht ist. Es ermöglicht dir, nach einer Panne die nächste Werkstatt zu erreichen, ersetzt aber den defekten Reifen nicht dauerhaft.

Ein vollwertiges Ersatzrad hingegen ist identisch mit den Serienrädern deines Fahrzeugs: gleiche Dimension, gleiche Tragfähigkeit, gleicher Reifen. Es kann dauerhaft gefahren werden und unterliegt keinerlei Sonderbeschränkungen.

Notrad – das schmale Reserverad für den Pannenfall

Das Notrad ist in der Regel deutlich schmaler als die übrigen Räder des Fahrzeugs. Typische Erkennungsmerkmale sind die gelb lackierte Felge und der Hinweis „Temporary Use Only" auf dem Reifen. Diese Kennzeichnung ist kein Zufall: Das Notrad ist konstruktiv auf Gewicht und Platzbedarf optimiert, nicht auf Fahrdynamik oder Langlebigkeit.

In vielen Fahrzeugen der Mittel- und Kompaktklasse ist das Notrad als Reserverad ab Werk verbaut. Es liegt entweder im Kofferraumboden oder – bei SUVs und Geländefahrzeugen – außen am Heck befestigt.

Vollwertiges Ersatzrad – volle Funktionalität ohne Einschränkungen

Ein vollwertiges Ersatzrad entspricht exakt dem Satz Räder, der am Fahrzeug verbaut ist. Das bedeutet: Du kannst es montieren wie ein reguläres Rad, musst keine Geschwindigkeitsbeschränkung beachten und hast keine Einschränkungen beim Fahrverhalten. Der Nachteil liegt auf der Hand – Gewicht und Platzbedarf sind deutlich höher als beim Notrad.

Viele Fahrzeughalter, die regelmäßig zwischen Sommer- und Winterreifen wechseln, bewahren einen der alten Reifen als vollwertiges Ersatzrad auf. Das ist kostengünstig und funktional sinnvoll, sofern der Reifen noch ausreichend Profiltiefe hat.

Profiltiefe beim Ersatzrad prüfen

Ein Ersatzrad, das jahrelang ungenutzt im Kofferraum liegt, wird selten überprüft. Mindestens einmal im Jahr lohnt sich ein kurzer Check: Profiltiefe (Mindestens 1,6 mm, empfohlen 3 mm), Luftdruck und Alter des Reifens. Reifen, die älter als 6–8 Jahre sind, sollten auch bei optisch gutem Zustand ersetzt werden.

Typen von Noträdern und Reserverädern im Überblick

Nicht jedes Fahrzeug wird mit demselben Pannenlösungskonzept ausgeliefert. Hersteller setzen auf unterschiedliche Ansätze – je nach Fahrzeugsegment, Kofferraumvolumen und Gewichtsbudget. Ein Blick auf die gängigen Typen zeigt, welche Vor- und Nachteile jeweils damit verbunden sind.

Das T-Reifen-Notrad: Häufigstes Konzept in Pkw

Der sogenannte T-Reifen (abgeleitet von „Temporary") ist das am weitesten verbreitete Notrad in Europa. Die Bezeichnung „T" findet sich auch in der Reifenbezeichnung wieder, z. B. als „T125/70 R16". Erkennungsmerkmal ist neben der schmalen Bauweise der überhöhte Luftdruck, der häufig bei 4,2 bar liegt – deutlich mehr als bei normalen Pkw-Reifen.

Typische Eigenschaften des T-Notrads:

  • Maximal zulässige Geschwindigkeit: 80 km/h
  • Maximale Fahrstrecke: 80–200 km (herstellerabhängig)
  • Kein Einsatz mit ESP, ABS oder Allradantrieb ohne Einschränkungen
  • Nicht geeignet für winterliche Fahrbedingungen

Das Fullsize-Notrad: Vollwertig, aber selten

Manche Hersteller liefern ihre Fahrzeuge mit einem vollwertigen Reserverad aus, das optisch und technisch dem restlichen Radsatz entspricht. Dieses Konzept ist heute vor allem bei größeren SUVs, Geländefahrzeugen und Transportern noch anzutreffen. Der Platzbedarf ist hoch, die Nutzbarkeit ohne jede Einschränkung.

Faltrad und aufblasbares Notrad: Platzsparende Sonderlösungen

Einige Fahrzeuge – insbesondere Sportwagen mit begrenztem Kofferraumvolumen – setzen auf ein aufblasbares Notrad oder ein sogenanntes Faltrad. Diese Variante ist zusammengefaltet oder komprimiert verstaut und wird im Pannenfall aufgeblasen. Der Vorteil liegt beim Platzbedarf, der Nachteil bei der etwas aufwändigeren Handhabung und den gleichen Fahreinschränkungen wie beim T-Reifen.

Runflat-Reifen als Alternative: Kein Reserverad nötig

Immer mehr Fahrzeuge – insbesondere aus dem BMW- und Mini-Bereich – werden ohne jedes Reserverad ausgeliefert und setzen stattdessen auf Runflat-Reifen. Diese Reifen besitzen eine verstärkte Seitenwand, die das Fahrzeug auch bei vollständigem Druckverlust noch bis zu 80 km weit und mit maximal 80 km/h fahrtüchtig hält. Ein Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ist dabei Pflicht, damit du einen Druckverlust rechtzeitig bemerkst.

Der Nachteil: Runflat-Reifen sind teurer, komfortreduzierter und können nach einem Druckverlust oft nicht mehr repariert werden.

Typ Max. Geschwindigkeit Max. Reichweite Platzbedarf
T-Notrad (T-Reifen) 80 km/h 80–200 km Gering
Vollwertiges Ersatzrad Keine Einschränkung Unbegrenzt Hoch
Aufblasbares Notrad 80 km/h 80–200 km Sehr gering
Runflat-Reifen 80 km/h bis 80 km Entfällt

Tempolimits und Reichweite beim Notrad: Was gilt wirklich?

Das Notrad ist kein vollwertiger Reifen – und das spiegelt sich direkt in den zulässigen Fahrparametern wider. Wer diese ignoriert, riskiert nicht nur den nächsten Schaden am Fahrzeug, sondern handelt auch verkehrsrechtlich fahrlässig.

Wie schnell darf man mit einem Notrad fahren?

In Deutschland gilt für Noträder des T-Typs eine maximale Geschwindigkeit von 80 km/h, die auch direkt auf dem Reifen aufgedruckt ist. Diese Beschränkung ergibt sich aus der Konstruktion: Das Notrad ist schmaler, hat einen höheren Luftdruck und ist für andere Lastzustände ausgelegt als ein regulärer Reifen. Bei höheren Geschwindigkeiten steigt das Risiko für Reifenversagen erheblich.

Die 80-km/h-Grenze gilt unabhängig davon, ob du auf der Autobahn oder Landstraße unterwegs bist. Auch wenn der Verkehr um dich herum schneller fährt – du bist verpflichtet, dich an die auf dem Reifen angegebene Höchstgeschwindigkeit zu halten.

Versicherung und Haftung im Pannenfall

Fährst du mit dem Notrad schneller als erlaubt und es kommt zu einem Unfall, kann die Kfz-Haftpflicht im schlimmsten Fall die Regulierung verweigern oder Rückgriff nehmen. Hält dich die Polizei an, droht ein Bußgeld. Nutze das Notrad ausschließlich für die Strecke zur nächsten Werkstatt – nicht für die Weiterfahrt ins Urlaubsziel.

Wie lange kann man mit dem Notrad fahren?

Eine gesetzlich festgelegte Kilometergrenze für Noträder gibt es in Deutschland nicht. Die Hersteller empfehlen jedoch typischerweise maximal 80 bis 200 Kilometer – diese Angabe findet sich im Fahrzeughandbuch oder direkt auf dem Reifen. Gemeint ist damit die Strecke, die du zurücklegen kannst, um einen Reifenservice aufzusuchen, nicht die maximale Gesamtlaufleistung.

Wichtig: Das Notrad ist nicht für den Dauerbetrieb gedacht. Je nach Fahrzeug können durch die unterschiedlichen Reifenabmessungen Belastungen auf das Differenzial, die Elektronik und das ABS entstehen. Besonders bei Allradfahrzeugen und Fahrzeugen mit DSG oder automatischem Getriebe sollte die Fahrtstrecke auf das Nötigste beschränkt werden – der Hersteller gibt hier konkrete Hinweise vor.

Fahrverhalten mit Notrad: Was sich ändert

Das Fahrzeug verhält sich mit einem montierten Notrad spürbar anders als gewohnt:

  • Das Fahrzeug steht minimal schräg, weil das Notrad kleiner ist als die übrigen Reifen
  • Die Lenkung reagiert empfindlicher
  • Das ESP und das ABS arbeiten weniger präzise, da die Raddrehzahlen asymmetrisch sind
  • Scharfes Bremsen und schnelle Kurvenfahrten sind zu vermeiden

Wähle auf dem Weg zur Werkstatt nach Möglichkeit eine Route, die Schnellstraßen und enge Kurven vermeidet.

Notrad montieren: So wechselst du sicher

Einen Reifen am Straßenrand zu wechseln ist keine besonders anspruchsvolle Aufgabe – wenn du die richtige Reihenfolge kennst und das notwendige Werkzeug dabei hast. Die meisten Pannen passieren jedoch genau dort, wo das Material fehlt oder die Übung mangelt.

Sicherheit zuerst: Vor dem Wechsel absichern

Bevor du das Notrad aus dem Kofferraum holst, musst du die Unfallstelle absichern. Das bedeutet:

  1. Warnblinkanlage einschalten
  2. Fahrzeug so weit wie möglich aus dem Fahrbahnbereich lenken
  3. Warnweste anziehen (Pflicht in Deutschland)
  4. Warndreieck in ausreichendem Abstand aufstellen (auf der Autobahn mindestens 100 m)

Erst wenn diese Schritte erledigt sind, beginnst du mit dem Radwechsel.

Schritt für Schritt: Notrad richtig montieren

Das eigentliche Wechseln folgt einer festen Reihenfolge, die du nicht verändern solltest:

  1. Wagenheber und Radmutternschlüssel aus dem Werkzeugfach holen
  2. Radmuttern am defekten Rad leicht lösen, bevor das Fahrzeug angehoben wird
  3. Fahrzeug an der vorgesehenen Hebestelle (im Handbuch vermerkt) aufbocken
  4. Muttern vollständig lösen und das Rad abnehmen
  5. Notrad aufsetzen und Muttern handfest anziehen
  6. Fahrzeug absenken, Muttern im Kreuz fest nachziehen
  7. Luftdruck des Notrads prüfen – er liegt meist bei 4,2 bar

Wagenheber-Aufnahme nicht verwechseln

Viele Fahrzeugschäden beim Radwechsel entstehen dadurch, dass der Wagenheber an der falschen Stelle angesetzt wird. Im Fahrzeughandbuch sind die Hebestellen genau eingezeichnet. Im Zweifelsfall lieber kurz nachschlagen – ein verbogener Schweller ist teurer als ein paar Minuten Suchzeit.

Was tun, wenn kein Reserverad vorhanden ist?

Immer mehr Neuwagen werden ohne Reserverad oder Notrad ausgeliefert. Stattdessen liegt ein Reifenreparaturset im Kofferraum – bestehend aus Dichtmittel und Kompressor. Dieses Set kann kleinere Einstiche in der Lauffläche abdichten, ist aber kein Allheilmittel:

  • Seitenwandschäden, größere Risse oder Felgentreffer lassen sich damit nicht reparieren
  • Reifen, die mit Dichtmittel behandelt wurden, sind bei vielen Werkstätten nicht mehr reparierbar
  • Das Dichtmittel muss nach Gebrauch fachgerecht entsorgt werden

Ob die Reifenpanne durch ein Reparaturset behoben werden kann oder nicht, hängt von der Schadensart ab. Im Zweifel ist ein Pannendienst die sicherere Wahl.

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Kaufberatung: Das richtige Notrad oder Ersatzrad finden

Wer sein Fahrzeug ohne Reserverad oder mit einem stark veralteten Notrad fährt, steht im Pannenfall vor einem vermeidbaren Problem. Ein nachgekauftes Notrad oder Ersatzrad kann auf Wunsch bei vielen Reifenhändlern bestellt und montiert werden. Dabei gibt es einige Punkte, auf die du achten solltest.

Das richtige Notrad kaufen: Dimensionen und Fahrzeugfreigabe

Noträder sind nicht universell austauschbar. Die Dimension des Notrads ist auf die Fahrzeugklasse und den Lochkreis der Originalfelge abgestimmt. Du kannst nicht einfach jedes T-Notrad auf jedes Fahrzeug montieren – Lochkreis, Einpresstiefe und Nabenbohrung müssen passen.

Beim Kauf eines Notrads solltest du folgende Angaben zur Hand haben:

  • Fahrzeugtyp und Baujahr
  • Lochkreis (z. B. 5x112 bei VW, Audi, Mercedes)
  • Einpresstiefe (ET-Wert)
  • Nabenbohrung
  • Gewünschte Notradgröße passend zur Fahrzeuggröße

Neues oder gebrauchtes Notrad: Was ist sinnvoller?

Gebrauchte Noträder sind deutlich günstiger als neue, können aber Risiken bergen: Versteckte Felgenschäden, unbekanntes Reifenalter oder unzureichende Profiltiefe sind bei einem Gebrauchten schwer einzuschätzen. Für ein Sicherheitsbauteil, das im Ernstfall zuverlässig funktionieren muss, lohnt sich die Investition in ein neues Notrad.

Kriterium Neues Notrad Gebrauchtes Notrad
Preis 60–150 € 20–60 €
Reifenalter bekannt Ja Selten
Zustand garantiert Ja Nein
Empfehlung Bevorzugt Nur mit Prüfung

Vollwertiges Ersatzrad als Alternative zum Notrad

Wer häufig lange Strecken fährt oder regelmäßig in abgelegenen Gebieten unterwegs ist, fährt mit einem vollwertigen Ersatzrad langfristig sicherer. Es kostet mehr, bietet aber im Pannenfall echte Handlungsfreiheit: kein Tempolimit, keine Reichweitenangst, kein asymmetrisches Fahrverhalten.

Eine pragmatische Lösung: Wer saisonale Reifen auf Stahlfelgen fährt, kann beim nächsten Reifenwechsel einen alten, aber noch fahrtauglichen Reifen als Vollersatzrad einbehalten – sofern die Profiltiefe ausreicht und der Reifen nicht älter als sechs Jahre ist.

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Luftdruck des Notrads regelmäßig prüfen

Ein Notrad, das jahrelang unbenutzt im Kofferraum liegt, verliert mit der Zeit Luftdruck. Im Pannenfall kann es dann sein, dass das Notrad selbst nicht einsatzbereit ist. Prüfe den Luftdruck mindestens einmal im Jahr – für T-Noträder liegt der Solldruck typischerweise bei 4,2 bar.

Häufig gestellte Fragen zum Notrad und Ersatzrad