Wenn deine Reifen abgefahren sind, landen sie nicht im Hausmüll und auch nicht auf dem Sperrmüll. Altreifen sind ein Verbundwerkstoff aus Gummi, Stahl und Textil und damit ein Rohstoff, der sich zu großen Teilen wiederverwerten lässt.
Du erfährst, wie Reifenrecycling in Deutschland abläuft, welche Verwertungsmethoden es gibt, was bei der Runderneuerung passiert und wie du alten Autoreifen mit Upcycling ein zweites Leben gibst.
Über die Entsorgung ihrer Reifen machen sich die meisten erst Gedanken, wenn der Wechsel ansteht. Dabei entscheidet die richtige Verwertung darüber, ob aus einem Altreifen neuer Rohstoff wird oder ob er als Abfall verloren geht. Drei Punkte zeigen, warum das Thema an Bedeutung gewinnt.
In Deutschland fallen jedes Jahr rund 600.000 Tonnen Altreifen an. Diese Menge muss verwertet oder recycelt werden, denn Altreifen verrotten nicht und dürfen deshalb nicht auf Deponien landen. Reifenrecycling ist damit zu einer der zentralen Aufgaben der Ressourcenschonung geworden.
Ein Autoreifen besteht aus mehreren Materialien, die sich getrennt wiederverwenden lassen:
Durch Reifenrecycling kehren diese Stoffe in den Produktionskreislauf zurück. Das spart neue Rohstoffe und verringert die Abhängigkeit von knappen Ressourcen.
Ein Reifen, der achtlos in der Natur liegt, gibt über Jahrzehnte Schadstoffe an Boden und Wasser ab. Wilde Ablagerungen schädigen die Umwelt und ziehen empfindliche Bußgelder nach sich. Eine fachgerechte Verwertung ist deshalb gesetzlich vorgeschrieben.
Bevor ein Reifen recycelt werden kann, muss er bei einem berechtigten Verwerter landen. Den Weg dorthin nimmt er fast immer über einen Zwischenschritt.
Meist startet der Recyclingweg in der Werkstatt oder beim Reifenhändler: Sie nehmen Altreifen beim Reifenwechsel an und geben sie gebündelt an zertifizierte Verwerter weiter, wo die Reifen dokumentiert und fachgerecht aufbereitet werden. Welche Abgabestellen es daneben gibt, was die Entsorgung kostet und welche Bußgelder bei illegaler Entsorgung drohen, erfährst du im Detail unter Reifen entsorgen: erlaubt, verboten, Strafen und Kosten.
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Damit Altreifen nicht ungenutzt bleiben, kommen je nach Zustand und Reifenart verschiedene Verwertungsmethoden zum Einsatz. Jede hat eigene Stärken und Schwächen und trägt unterschiedlich stark zur Nachhaltigkeit bei.
Bei der stofflichen Verwertung werden die Reifen zerkleinert und in ihre Bestandteile getrennt. Das Gummigranulat kommt unter anderem auf Sport- und Spielplätzen, im Straßenbau und in der Bauindustrie zum Einsatz. Der Reifendraht wandert in die Stahlproduktion. Diese Variante gilt als die umweltfreundlichste Form des Reifenrecyclings, weil sie die meisten Rohstoffe zurückgewinnt.
Bei der thermischen Verwertung werden Altreifen verbrannt, etwa in Zementwerken, um ihren hohen Energiegehalt zu nutzen. So lassen sich große Mengen verwerten und Wärme oder Strom gewinnen. Der Nachteil: Rohstoffe gehen verloren und es entstehen Emissionen. Die stoffliche Verwertung ist deshalb meist die bessere Wahl.
In modernen Recyclinganlagen kommen Verfahren wie Pyrolyse und Devulkanisation zum Einsatz. Bei der Pyrolyse werden Altreifen unter Sauerstoffabschluss erhitzt, wodurch Gas, Öl und Industrieruß entstehen, die sich weiterverwenden lassen. Die Devulkanisation versetzt das Gummi zurück in einen verarbeitbaren Zustand, sodass es als Rohstoff für neue Produkte oder sogar neue Reifen dient. Beide Verfahren gelten als besonders ressourcenschonend, sind aber noch nicht flächendeckend verfügbar.
Nicht jeder Altreifen muss sofort zerlegt werden. Bei der Runderneuerung wird die abgefahrene Lauffläche entfernt und der verbliebene Reifenkörper mit einer neuen Lauffläche versehen. Geeignet sind nur Reifen, deren Karkasse einwandfrei ist. Bei Lkw-Reifen ist das gängige Praxis, bei Pkw-Reifen lohnt es sich wirtschaftlich nur selten. Aus Umweltsicht ist die Runderneuerung eine der effektivsten Lösungen, weil sie den Reifen länger im Kreislauf hält.
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Methode |
Vorteile |
Nachteile |
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Stoffliche Verwertung |
Gewinnt Gummi, Stahl und Textil zurück, umweltfreundlich, breite Einsatzgebiete |
Technisch aufwendig, nicht alle Materialien gleich gut verwertbar |
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Thermische Verwertung |
Energiegewinnung, große Mengen möglich |
Emissionen, kaum Rückgewinnung von Rohstoffen |
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Pyrolyse und Devulkanisation |
Gewinnt Gas, Öl, Industrieruß und Gummi für neue Produkte, ressourcenschonend |
Hohe Investitionskosten, noch nicht flächendeckend verfügbar |
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Runderneuerung |
Verlängert das Reifenleben, spart Rohstoffe, sehr umweltfreundlich |
Nur für einwandfreie Karkassen, bei Pkw-Reifen selten wirtschaftlich |
Neben der klassischen Verwertung kannst du Altreifen auch selbst weiternutzen. Beim Upcycling entstehen praktische und dekorative Dinge für Haus und Garten, die nachhaltig sind und sich mit wenig Aufwand umsetzen lassen.
Nach gründlicher Reinigung werden alte Reifen mit etwas Farbe zu Blumenkübeln oder Beeteinfassungen. Stapelst du mehrere Reifen übereinander, entsteht daraus ein Hochbeet. Weil Reifen wasserdurchlässig sind, staut sich keine Nässe, was den Pflanzen zugutekommt.
Wer handwerklich begabt ist, formt aus Autoreifen Figuren, Tiere oder dekorative Objekte für den Garten. Mit Farbe und etwas Fantasie entstehen Unikate, die es so nicht zu kaufen gibt.
An einem stabilen Ast befestigt, wird ein Autoreifen schnell zur Schaukel. Mehrere Reifen nebeneinander ergeben einen Hüpfparcours. So bringt ein alter Reifen Bewegung in den Garten und hält dabei lange.
Reifen reinigen vor dem Upcycling
Wasche den Reifen mit Wasser, Bürste und etwas Spülmittel gründlich aus, bevor du ihn bepflanzt oder bemalst. So entfernst du Bremsstaub und Straßenschmutz, und Farbe oder Lack halten deutlich besser.
Hersteller und Recyclingbetriebe arbeiten daran, Altreifen vollständig in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen. Zwei Entwicklungen treiben das voran.
Bei der Reifenentwicklung gibt es Fortschritte: Erste Versuche mit synthetischem Kautschuk zeigen, dass Reifen weniger Abrieb erzeugen können. Das bedeutet weniger Feinstaub und eine längere Lebensdauer. Worauf es bei besonders sparsamen und langlebigen Modellen ankommt, liest du bei den umweltfreundlichen Reifen, deren Effizienz du am EU-Reifenlabel ablesen kannst.
Je mehr Bestandteile wie Gummi, Stahl und Industrieruß wiedergewonnen werden, desto weniger neue Rohstoffe sind nötig. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, der die Umwelt entlastet. Du selbst trägst dazu bei, indem du deine Reifen lange fahrbar hältst. Wann ein Reifen wirklich am Ende ist, erkennst du an der Profiltiefe und am Zustand der Lauffläche, wie wir unter abgefahrene Reifen erkennen zeigen.
Steht der nächste Reifenwechsel an, gibst du die alten Reifen direkt bei der Montage ab und lässt neue Reifen vor Ort aufziehen. Über reifen-vor-ort.de findest du Werkstätten in deiner Nähe mit Komplettpreisen aus Reifen und Montage und bezahlst in der Regel erst vor Ort.
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