Auf jeder Felge stehen Zahlen und Buchstaben wie 7Jx16H2 ET35. Wer das nicht entziffern kann, kauft im Zweifel die falsche Felge – und merkt es erst, wenn der Reifen am Stoßdämpfer schleift oder die Felge zu weit aus dem Radhaus steht.
Du lernst hier, was jede einzelne Angabe bedeutet, wo du sie findest und welche Werte zwingend zu deinem Fahrzeug passen müssen. Am Ende kannst du eine Felgenbezeichnung in 30 Sekunden lesen.
Die Bezeichnung ist genormt und sitzt immer ungefähr an der gleichen Stelle – nur die Form unterscheidet sich je nach Felgentyp. Bei Alufelgen wird sie eingegossen oder gelasert, bei Stahlfelgen eingestanzt. Manchmal verdeckt sie ein bisschen Dreck oder Bremsstaub. Ein Lappen genügt meist.
Bei Alufelgen findest du die Angaben in der Regel auf der Innenseite einer Speiche oder auf dem Felgenbett zwischen den Schraubenlöchern. Manche Hersteller setzen sie auch auf die Rückseite – das siehst du nur, wenn das Rad abmontiert ist.
Bei Stahlfelgen ist die Kennzeichnung eingestanzt und sitzt fast immer rund um die Bohrungen der Radbolzen oder auf der Innenseite. Bei alten Felgen lohnt sich vorher eine Bürste, weil Rost die Zahlen verdeckt.
So liest du die Bezeichnung ohne Demontage
Lenkung voll einschlagen und mit der Taschenlampe zwischen die Speichen leuchten. Bei den meisten Pkw reicht das, um die Bezeichnung auf der Innenseite ablesen zu können – das Rad muss nicht ab.
Die Felgengröße besteht aus zwei Werten – beide in Zoll: Breite und Durchmesser. Beispiel: 7Jx16.
Diese beiden Werte musst du kennen, bevor du neue Reifen oder eine Ersatzfelge kaufst. Sie stehen außerdem im Fahrzeugschein unter Punkt 15.1 und 15.2.
Die Einpresstiefe steht direkt hinter der Größenangabe und beginnt mit ET, zum Beispiel ET35. Sie sagt dir, wie tief die Felge im Radhaus sitzt. Wenige Millimeter Abweichung können dafür sorgen, dass der Reifen am Federbein schleift oder die Felge aus dem Kotflügel ragt.
In der Nähe findest du außerdem die Felgennummer (Teilenummer des Herstellers) und die KBA-Nummer. Beide brauchst du bei Ersatzbestellungen, beim TÜV und für die Felgenfreigabe deines Fahrzeugs. Liegt dir das COC-Dokument (Certificate of Conformity, EU-Übereinstimmungsbescheinigung) deines Autos vor, kannst du die zulässigen Felgen auch dort nachschlagen.
Eine Felgenbezeichnung wirkt beim ersten Blick wie eine Seriennummer, ist aber nach festem Schema aufgebaut. Wenn du das System einmal kennst, liest sich jede Felge gleich – egal ob BBS, OZ oder die Stahlfelge vom Polo.
Eine typische Bezeichnung sieht so aus: 7Jx16H2 ET35. Was steckt dahinter?
| Teil der Bezeichnung | Bedeutung | Erklärung |
|---|---|---|
| 7 | Maulweite | Breite der Felge zwischen den Felgenhörnern in Zoll. |
| J | Felgenhornform | Form der Kante, auf der der Reifen aufsitzt. „J" ist bei Pkw Standard. |
| x | Bauart | Einteilige Tiefbettfelge. |
| 16 | Felgendurchmesser | Durchmesser in Zoll. |
| H2 | Humpausführung | Sicherungswülste, die den Reifen auf der Felge halten. H2 = beidseitig. |
| ET35 | Einpresstiefe | Abstand zwischen Felgenmitte und Auflagefläche an der Nabe in Millimetern. |
Diese Reihenfolge ist bei allen Herstellern weltweit gleich. Sobald du sie einmal liest, kannst du jede beliebige Felge entziffern – auch wenn du keine Maschinenbauerin bist.
Setzen wir das System an einer kleineren Felge an:
Klingt nach Detail-Krempel? Ist es nicht. Sobald Breite oder Einpresstiefe nicht zum Fahrzeug passen, schleift der Reifen oder die Spurweite stimmt nicht mehr. Und beim TÜV gibt es Ärger.
Wenn die Bezeichnung unlesbar ist – verkratzt, übersprüht, korrodiert – kannst du die Größe selbst nachmessen:
Felgendaten kostenlos prüfen lassen
Viele Partnerwerkstätten bei reifen-vor-ort.de prüfen Felgendaten beim Reifenkauf direkt mit. Das spart Stress vor dem TÜV-Termin, wenn du gebrauchte Felgen ohne klare Bezeichnung gekauft hast.
Die Einpresstiefe ist die heimliche Hauptzahl auf jeder Felge. Sie bestimmt, ob das Rad bündig sitzt, in den Kotflügel ragt oder am Innenraum schleift. Wer Felgen mit anderer ET montiert als vom Hersteller freigegeben, riskiert Eintragung beim TÜV – oder erlebt die Differenz beim ersten Bordsteinkontakt.
Die Einpresstiefe beschreibt den Abstand zwischen der Felgenmitte und der Auflagefläche an der Radnabe – in Millimetern.
Beispiel: 7Jx16H2 ET35 heißt, die Auflagefläche sitzt 35 mm vor der Felgenmitte. Schon eine Abweichung von 5 mm kann reichen, dass du die Felgen beim TÜV eintragen lassen musst oder die Bremszange am Felgenstern schleift.
Den ET-Wert findest du meist direkt hinter der Größenangabe. Übliche Schreibweisen:
Bei Alufelgen ist die Angabe meistens eingegossen oder gelasert – entweder innen an einer Speiche oder im Bereich der Radbolzenlöcher. Bei Stahlfelgen ist sie eingestanzt, manchmal etwas versteckt am Mittelloch.
Findest du keine ET-Angabe, schau in die Bedienungsanleitung, ins COC-Dokument oder in die Felgenfreigabe des Herstellers. Spätestens dort steht, welche ET-Werte für dein Fahrzeug zulässig sind.
Falls die ET-Angabe fehlt und keine Unterlagen vorliegen, kannst du die Einpresstiefe selbst ermitteln. Du brauchst dafür einen Zollstock, ein Lineal und eine ebene Fläche.
Beispiel: Eine Felge ist 200 mm breit. Die Auflagefläche sitzt 135 mm von der Außenkante entfernt. Halbe Felgenbreite = 100 mm. ET = 135 – 100 = 35 mm, also ET35.
Alufelgen in deiner Nähe kaufen
Größe und ET sind die halbe Miete. Die andere Hälfte sind drei Werte, ohne die keine Felge auf die Nabe geht: Lochkreis, Nabenloch und KBA-Nummer. Stimmt einer davon nicht, kannst du die Felge nicht montieren – oder du fährst sie illegal.
Der Lochkreis beschreibt zwei Dinge in einer Angabe: die Anzahl der Radschrauben und den Durchmesser des gedachten Kreises, auf dem die Bohrungen liegen. Beispiel: 5x112.
Du findest die Angabe meist nahe der Schraubenlöcher oder auf der Innenseite. Wenn keine Beschriftung sichtbar ist, lässt sich der Lochkreis nachmessen:
Die häufigsten Lochkreise bei Pkw
4x100 (z.B. VW Polo, Opel Corsa), 5x100 (Audi A3, Skoda Fabia), 5x112 (Mercedes-Benz, viele VW/Audi-Modelle), 5x114,3 (Ford, Renault, viele Asiaten), 5x120 (BMW, MINI). Steht im Fahrzeugschein und in der Felgenfreigabe.
Das Nabenloch (auch Mittelloch) ist die Bohrung in der Felgenmitte, mit der die Felge auf der Radnabe zentriert wird. Der Durchmesser steht meist als Ø-Angabe in Millimetern auf der Felge, zum Beispiel Ø 66,6 mm.
Bei Alufelgen ist das besonders kritisch: Das Mittelloch muss exakt zur Radnabe deines Autos passen. Ist es zu groß, brauchst du Zentrierringe aus Kunststoff oder Aluminium, um das Spiel auszugleichen. Ist es zu klein, passt die Felge erst gar nicht auf die Nabe – und kein Hammer der Welt macht das wett.
Tabelle gängiger Mittellochdurchmesser (Auswahl):
| Marke | Typischer Ø Nabenloch |
|---|---|
| VW, Audi, Skoda, Seat | 57,1 mm |
| BMW, MINI | 72,6 mm |
| Mercedes-Benz | 66,6 mm |
| Opel, Chevrolet | 65,1 mm |
| Ford | 63,4 mm |
Die KBA-Nummer ist die offizielle Zulassung vom Kraftfahrt-Bundesamt. Sie bestätigt, dass die Felge in Deutschland zugelassen ist. Die Nummer beginnt mit den Buchstaben KBA, gefolgt von einer Zahlenkombination, etwa KBA 45897.
Du findest sie auf der Innenseite der Felge, oft in der Nähe der Größenangabe oder neben dem Herstellerlogo. Mit dieser Nummer kannst du in der ABE-Datenbank (Allgemeine Betriebserlaubnis) prüfen, ob die Felge für dein Fahrzeug freigegeben ist.
Daneben gibt es die Teilenummer des Herstellers. Sie identifiziert die genaue Ausführung – wichtig, wenn du eine einzelne Felge nachbestellen willst (z.B. nach Bordsteinkontakt) und dieselbe Lackierung brauchst.
Fehlt eine dieser Nummern oder ist sie unleserlich, kann der TÜV-Prüfer die Eintragung verweigern. In dem Fall hilft nur ein Gutachten vom Felgenhersteller oder ein Festigkeitsgutachten.
Bei der Felgenkennzeichnung folgen Alu- und Stahlfelgen demselben Schema. Trotzdem gibt es Unterschiede, an denen du beide Typen sofort auseinanderhältst – nicht nur an der Optik.
Die einfachste Methode ist der Klopftest: Stahl klingt dumpf, Aluminium hell und kurz. Optisch sind Alufelgen meistens aufwendiger gestaltet, oft mit Speichen, glänzender Oberfläche oder Lackierung. Stahlfelgen sind schlicht und werden in der Regel von Radkappen verdeckt.
Der praktische Unterschied liegt im Gewicht. Eine Alufelge wiegt meist 30–40 % weniger als die vergleichbare Stahlfelge gleicher Größe – das spart ungefederte Masse und macht das Auto agiler beim Lenken und Bremsen. Welche Variante für dich besser passt, hängt vom Einsatz ab – der ausführliche Vergleich Alufelgen oder Stahlfelgen stellt beide Typen direkt gegenüber.
Bei Stahlfelgen ist die Bezeichnung eingestanzt – meist auf der Innenseite, nahe den Bohrungen. Das Schema ist identisch (zum Beispiel 6Jx15 ET38), die Stempel sind aber oft kleiner und nach Jahren in Streusalz schwer lesbar. Eine Drahtbürste hilft.
Stahlfelgen tragen meistens eine sichtbare KBA-Nummer, weil sie ab Werk für ein bestimmtes Fahrzeug freigegeben wurden. Bei Alufelgen ist die KBA-Nummer nicht immer auf der Felge selbst – manche Hersteller liefern stattdessen ein Gutachten oder eine ABE als Beipack-Dokument.
| Merkmal | Alufelgen | Stahlfelgen |
|---|---|---|
| Material | Aluminium-Legierung | Stahlblech |
| Gewicht | 30–40 % leichter | Schwerer, dafür robust |
| Optik | Speichendesigns, lackiert oder poliert | Schlicht, meist mit Radkappe |
| Korrosion | Anfällig für Streusalz, braucht Pflege | Lackiert robust, rostet bei Kratzern |
| Kennzeichnung | Eingegossen oder gelasert (Speiche/Rückseite) | Eingestanzt (Innenseite) |
| KBA-Nummer | Oft separates Gutachten/ABE | Direkt auf der Felge sichtbar |
| Preis | Höher (Material + Fertigung) | Günstiger |
| Einsatzempfehlung | Sommer (Optik, Gewicht) | Winter (Streusalz, Bordsteine) |
Bei Alufelgen ist die ET oft geringer als bei den Stahlfelgen für dasselbe Auto. Dadurch rückt das Rad weiter nach außen, die Spurweite wirkt sportlicher. Vorteil für die Optik, Nachteil für die Freigängigkeit: Schon kleine Federwegsbewegungen können den Reifen am Radhaus oder Federbein streifen lassen.
Stahlfelgen haben in der Regel eine höhere ET – die Felge sitzt tiefer im Radhaus. Im Winter ist das ein klarer Vorteil, weil weniger Spritzwasser, Salz und Splitt direkt auf den Felgenrand treffen. Ob du trotzdem Alufelgen auch im Winter fahren kannst, hängt vom Lacksystem und der Pflege ab.
Du kennst jetzt das System: Größe (z.B. 7Jx16), Humpausführung (H2), Einpresstiefe (ET35), Lochkreis (z.B. 5x112), Mittelloch (z.B. Ø 66,6 mm), KBA-Nummer. Mit diesen sechs Werten kannst du jede Felge prüfen.
Bevor du bestellst, lohnt sich der Abgleich mit drei Quellen:
Stimmen alle Werte überein, brauchst du keine Eintragung beim TÜV. Weicht ein Wert ab, kann eine Einzelabnahme nötig werden – das kostet im Schnitt 50–100 Euro Prüfgebühr plus Anfahrt. Welche Kombinationen für dein Modell zugelassen sind, erfährst du auch in der Übersicht welche Felgen auf welches Auto passen.
Wenn du gerade neue Felgen für dein Fahrzeug suchst, prüfst du Maße, ET und Lochkreis am schnellsten direkt im Felgen-Konfigurator. Dort gibst du dein Fahrzeug ein und siehst nur Felgen, die nachweislich passen. Worauf du sonst noch achten solltest, steht im Ratgeber worauf du beim Felgenkauf achten musst.
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