Ein Reifencheck vor der Urlaubsreise gehört für mich genauso zur Abfahrt wie das Volltanken. Hitze, Vollgepäck und stundenlange Autobahnfahrten verlangen den Reifen mehr ab als der Weg zur Arbeit. Wer Profiltiefe, Reifendruck und den Zustand der Reifen vorher nicht prüft, riskiert die Panne genau dort, wo sie am unpassendsten kommt: auf der Reise selbst.
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Im Stadtverkehr rollt ein Reifen selten länger als 20 Minuten am Stück. Auf dem Weg in den Urlaub sind es plötzlich vier, fünf, sechs Stunden Autobahn, dazu ein voll beladener Kofferraum und Asphalt, der sich in der Sonne deutlich über 50 Grad aufheizen kann. Genau diese Kombination aus Dauerbelastung, Gewicht und Hitze macht den Unterschied zwischen einem Reifen, der die Fahrt souverän wegsteckt, und einem, der genau dann schlappmacht.
Sommerreifen bestehen aus einer härteren Gummimischung als Winterreifen und haben ein Profil, das auf trockene, warme Straßen ausgelegt ist. Bei Temperaturen, die Winterreifen weich und unsicher machen würden, halten Sommerreifen ihren Grip und bleiben stabil. Umgekehrt gilt: Wer aus Gewohnheit noch mit Winterreifen fährt, verschenkt genau die Eigenschaft, die er auf der Autobahn am meisten braucht.
Für eine lange Reise zählt weniger die Marke als der Zustand: ausreichend Profil, korrekter Luftdruck und keine Vorschäden. Ein neuer Sommerreifen mit 8 Millimetern Profil und ein drei Jahre altes Modell mit 4 Millimetern können beide für die Fahrt völlig ausreichen, solange sie regelmäßig kontrolliert wurden. Bist du unsicher, ob an deinem Auto überhaupt noch reguläre Sommerreifen montiert sind und nicht versehentlich Ganzjahresreifen, hilft dir die Übersicht, wie sich Sommerreifen erkennen lassen, um das vor der Abfahrt eindeutig zu klären.
Die Profiltiefe ist der Punkt beim Reifencheck, der am meisten über deine Sicherheit entscheidet. Sie bestimmt, wie gut dein Auto bei Regen bremst und wie sicher es in schnellen Kurven liegt.
In Deutschland gilt laut § 36 StVZO eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern. Liegt dein Reifen darunter, ist die Weiterfahrt nicht erlaubt und eine Kontrolle kann ein Bußgeld nach sich ziehen. Zusätzlich steigt die Aquaplaning-Gefahr deutlich, sobald das Profil zu gering wird.
Auch wenn 1,6 Millimeter rechtlich reichen, empfehlen Experten mindestens 3 Millimeter Restprofil für Sommerreifen. Damit bremst du bei Nässe deutlich kürzer.
Der 1-Euro-Test für zwischendurch
Steck eine 1-Euro-Münze in die tiefste Rille des Profils. Wird der goldene Rand sichtbar, hat der Reifen weniger als 3 Millimeter Restprofil und sollte bald gewechselt werden, auch wenn die gesetzliche Grenze von 1,6 Millimetern noch nicht erreicht ist.
Abgefahrene Sommerreifen zeigen sich nicht nur am geringen Profil. Auf diese Anzeichen solltest du beim Reifencheck ebenfalls achten:
Zeigt sich eines dieser Anzeichen, ist ein Wechsel fällig, bevor du losfährst und nicht erst danach.
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Der Reifendruck entscheidet über Sicherheit, Fahrkomfort und Kraftstoffverbrauch gleichzeitig. Im Sommer, wenn Temperaturen und Fahrzeit steigen, lohnt sich ein Blick mehr als sonst, denn schon kleine Abweichungen erhöhen den Verschleiß und verändern das Fahrverhalten deutlich.
Jedes Fahrzeug hat einen vom Hersteller festgelegten Reifendruck, den du meist im Tankdeckel, am Türholm oder in der Bedienungsanleitung findest. Bei voll beladenem Auto, wie es auf einer Urlaubsreise fast immer der Fall ist, lohnt sich zusätzlich ein Blick auf den separaten Beladungswert, der bei hoher Zuladung über dem Normalwert liegt.
Zu wenig Luft erhöht den Rollwiderstand: mehr Spritverbrauch, schnellerer Verschleiß und im schlimmsten Fall ein Reifenplatzer. Der Bremsweg wird länger, und bei Regen steigt die Aquaplaning-Gefahr. Zu viel Luft ist ebenfalls keine gute Idee, weil sie die Auflagefläche verkleinert und die Haftung reduziert.
Wie du dabei konkret vorgehst, welches Werkzeug du brauchst und welche Fehler beim Messen am häufigsten passieren, zeigt die ausführliche Anleitung zum Reifenluftdruck am Auto messen. Wer ein modernes Fahrzeug fährt, bekommt Abweichungen zusätzlich automatisch über das Reifendruckkontrollsystem RDKS angezeigt.
Vor einer Urlaubsfahrt lohnt sich ein zweiter, genauerer Blick auf die Reifen. Kleine Schäden, die im Alltag kaum auffallen, werden durch Hitze und lange Autobahnetappen schnell zum echten Risiko.
Prüfe die Seitenwände auf feine Risse oder poröse Stellen. Sie entstehen meist durch Alterung oder falsche Lagerung. Bei deutlichen Schäden gehört ein neuer Reifen montiert, nicht diskutiert.
Schau dir die Lauffläche genau an. Nägel, Schrauben oder Splitter verursachen kleine Löcher, die zunächst unbemerkt bleiben. Verliert der Reifen dadurch Luft, hilft oft nur noch ein Wechsel, kleinere Schäden lassen sich manchmal mit einem Reparatur-Kit beheben. Was du im akuten Fall einer Reifenpanne tun solltest und wie ein Reifenplatzer entsteht, ist beides in eigenen Ratgebern ausführlich beschrieben.
Verliert der Reifen spürbar Luft, setz sofort das Notrad oder Ersatzrad ein. Bei Zweifeln lieber vorher in eine Werkstatt fahren, statt es auf der Autobahn herauszufinden. Ob und in welchem Umfang die Versicherung bei einem Reifenschaden zahlt, hängt vom Einzelfall ab und lohnt einen Blick vorab.
Sommerreifen gehören gewechselt, sobald das Profil zu gering ist oder sichtbare Schäden auftreten. Neben Profiltiefe und Zustand spielt auch das Alter eine Rolle, unabhängig davon, wie viel Gummi noch da ist.
Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel von Winter- auf Sommerreifen ist erreicht, wenn die Temperaturen dauerhaft über 7 Grad liegen. Vorher lohnt sich der Umstieg nicht, weil Sommerreifen bei Kälte schlechter haften.
Spätestens wenn die Verschleißgrenze erreicht ist oder Risse im Gummi sichtbar werden, ist ein Wechsel fällig. Nach acht bis zehn Jahren verlieren Reifen außerdem durch Materialermüdung an Sicherheit, selbst wenn noch genug Profil vorhanden ist.
Wer ganz sicher gehen will, lässt den Reifencheck einmal professionell machen. Fachbetriebe kontrollieren nicht nur Profiltiefe und Reifendruck, sondern auch die komplette Fahrwerksgeometrie.
In der Werkstatt werden die Reifen gründlich auf Schäden, Abnutzung und Unwucht untersucht. Häufig gehört auch eine Achsvermessung mit Spureinstellung dazu, denn eine falsche Spur führt zu ungleichmäßigem Reifenabrieb und verkürzt die Lebensdauer der Reifen unnötig.
Die Preise hängen vom Umfang der Leistung ab:
| Leistung | Durchschnittliche Kosten |
| Reifencheck (Sichtprüfung, Druck, Profil) | 20 – 40 € |
| Reifen auswuchten | 30 – 50 € |
| Achsvermessung | 60 – 90 € |
| Spur- und Sturzeinstellung | 70 – 100 € |
Ein kompletter Check mit Achsvermessung und Einstellung kann damit bis zu 100 Euro kosten. Vor einer längeren Reise ist das eine Investition, die sich auszahlt, wenn sie eine Panne unterwegs verhindert.
Jetzt Sommerreifen in deiner Nähe finden
Trag den Reifencheck fest in deine Abreise-Routine ein, am besten ein bis zwei Tage vorher. So bleibt noch Zeit für einen Werkstattbesuch, falls beim Profil oder am Reifendruck etwas nicht passt.