Reifen für sportliche Fahrzeuge standen diesmal auf dem Testkalender der Crew von AutoBild. Neun Modelle haben sich die Tester in der aktuellen Ausgabe April 2020 zur Brust genommen und zwar auf einem Mercedes-Benz AMG C 63, mit 476 PS eine Rennmaschine unter den Limousinen auf öffentlicher Straße. Zum Einsatz kommt dabei Mischbereifung im Format von 245/35 R19 vorn und 265/35 R19 hinten.

Braucht breite Schlappen: Der Mercedes AMG C 63. Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler
Die Auswahl der Kandidaten
Gesucht war das Reifenmodell, das den meisten Fahrspaß bei größter Sicherheit bietet. Diesen “heißesten Kandidaten der Saison” wollten die Tester unter neun sportlichen Modellen herausfinden. Und dabei scheuten die Prüfer weder Aufwand noch weite Wege für ihren Einsatz auf dem amerikanischen Testgelände von Continental bei Uvalde in Texas. Als Referenz zur Performance der Sportreifen kam der straßenzugelassene, aber doch für motorsportliche Zwecke gedachte Semislick Michelin Pilot Sport Cup 2 zum Zuge.
Bei nur neun Testkandidaten bleibt die Auswahl, gemessen an der Vielfalt im Markt, allerdings begrenzt. So gelangten zum Vergleich vornehmlich Reifen aus dem Premium-Segment, nämlich der Continental SportContact 6, der Michelin Pilot Sport 4 S und der Goodyear Eagle F1 SuperSport. Nicht mit von dieser Partie sind weder Modelle des weltgrößten Reifenherstellers Bridgestone noch von Pirelli als Ausrüster vieler sportlicher Fahrzeuge. Dafür vertreten die Marken Hankook mit dem Ventus S1 evo², Vredestein mit dem Ultrac Vorti, Falken mit dem Profil Azenis FK510 und die Marke Yokohama mit dem Advan Sport V105 sowie der Toyo Proxes Sport ein gemäßigtes Preissegment. Aus dem im Markt zahlreichen Budget-Produkten kommt nur ein Modell: Der Nankang Noble Sport NS-20 aus Taiwan.
Die Kriterien: Handling sticht
Bei Sportreifen steht natürlich das Handling trocken und nass an erster Stelle in der Bewertung. Die Fahrdynamik ist bei sportlichen Fahrzeugen das A und O. Wie genau folgt das Fahrzeug den Lenkbewegungen, wie gut kommt das Fahrzeug zum Stehen und wie treu bleibt der AMG-Mercedes auch bei Nässe in der Spur. Das sind die entscheidenden Fragen in einem Sportreifentest.
Autobild sportscars Sommerreifentest der Dimension 265/35 R19
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Platz | Profil | Nass* | Trocken* | Urteil und Angebote |
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2+ | 1- |
vorbildlich |
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2. Platz | 2+ | 1- |
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3. Platz | 2+ | 2 |
gut |
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4. Platz | 2 | 2 |
gut |
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5. Platz | 2 | 2 |
gut |
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6. Platz | 1- | 2- |
befriedigend |
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7.Platz |
2- | 2 |
befriedigend |
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8.Platz |
2- | 2- |
befriedigend |
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9.Platz |
4+ | 3- |
nicht empfehlenswert |
Testsieger Conti und Michelin
Und da setzen sich gleich zwei Kandidaten an die Spitze: “Die Sportreifen von Continental und Michelin verleihen der AMG-C-Klasse Flügel”, loben die Tester das vorbildliche Verhalten der beiden Pneus. Und besonders auch beim Bremsen zeichnen sich die beiden Kandidaten aus, sowohl trocken als auch nass. Und weil dagegen kaum ein Kraut gewachsen ist, setzen sich die beiden nahezu punktgleich von Anfang bis Ende an die Spitze und teilen sich nicht nur das Prädikat “vorbildlich”, sondern auch den Testsieg. Die Tester sind voll des Lobes: “Sportreifen der Spitzenklasse mit präzisem Lenkverhalten”, dynamische Handlingqualitäten, kurze Bremswege, stabile Seitenführung bei Nässe, heißt es im Protokoll des Conti, der einen Wimpernschlag vorn liegt. Und beim Michelin: “Allroundtalent mit besten Fahreigenschaften … kürzeste Bremswege, präzises Einlenkverhalten mit vorbildlicher Rückmeldung”. Dazu gesellt sich dann noch der Goodyear Eagle F1 SuperSport als Dritter auf dem Treppchen, der mit ähnlich guten Eigenschaften glänzen kann: beste Seitenführung, überzeugende Handlingqualitäten auf nasser Piste, gute Lenkpräzision – allerdings “nur” mit dem Prädikat “gut” wegen höherem Rollwiderstand und lauterem Abrollgeräusch, was den Sportfahrer allerdings wenig stören dürfte. Damit wären mit diesen drei aber auch gleich die preisintensivsten Kandidaten versammelt. Den Preis für einen Satz dieser Premiummarken veranschlagt die AutoBild um die 900 Euro.
Deutlich günstiger kommt der Sportfahrer bei Hankook weg, der Ventus S1 evo² wartet mit einer ähnlich guten “Leistung auf hohem Niveau” wie “stabiles Fahrverhalten auf nasser und trockener Piste” auf, zudem noch leise und kraftstoffsparend. Nur ein “leicht verzögertes Einlenkverhalten” kreiden die Tester an. Trotzdem: Ein “überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis” führt zur Gesamtnote “gut”. Hier landet aber auch der Konkurrent Vredestein Ultrac Vorti, der nur leichte Abstriche beim Rollwiderstand einstecken muss.
Das Trio der Wertung “befriedigend” führt die Marke Falken vom japanischen Hersteller Sumitomo an, der sportliche Handlingqualitäten zeigt, präzise einlenkt, aber zum Untersteuern auf trockener Piste neigt. Der Yokohama Advan Sport V105 dagegen schwächelt etwas beim Nassbremsen sowie im Rollwiderstand und ragt etwas aus dem Preisgefüge dieser Klasse heraus. Ein “erhöhter Preis” wird bemängelt. Dem Toyo Proxes Sport bescheinigen die Tester “gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning” und “kurze Bremswege auf trockener Piste”, doch fehlt es etwas an Grip, was zu untersteuerndem Fahrverhalten und leicht verzögertem Lenkansprechen führt. Immerhin: Note “befriedigend”.
Das Beste am Nankang Noble Sport NS-20 ist sein Aquaplaning-Verhalten. Da rauscht der taiwanische Low-Budget-Pneu als Schnellster durch das Wasser ohne aufzuschwimmen. Damit ist dessen Herrlichkeit aber auch schon vorbei, denn die Bremswege sind nicht nur lang, sondern “gefährlich” lang, das Lenkverhalten schwammig, das Handling unharmonisch. Außer dem günstigen Preis kommt hier nichts Gutes mehr ins Protokoll und der Nankang fällt durch: “nicht empfehlenswert” so das Urteil.
Und der Referenzreifen für die Piste? “Bedingt empfehlenswert” warnen die Tester. Was nicht verwundert, denn der Michelin Pilot Sport Cup 2 ist als Semislick eigentlich nicht für den Straßeneinsatz konstruiert und schon gar nicht bei Nässe. Das ist ein “Spezialist für die trockene (!) Rundstrecke”, aber da ist er vorbildlich im Lenkverhalten, bei Rückmeldung und Haftung.
Fazit
Wer seinen Sportwagen auf der Straße bewegen und auf der Rennstrecke ans Limit gehen will, der muss schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Perfekte Leistung ist zum Spottpreis eben nicht zu haben. Und da kommt der Sportler an Michelin und Conti nicht vorbei. Wer keinen Kompromiss will, greift zum straßenzugelassenen Semislick – es darf eben nur nicht regnen. Dann ist Vorsicht geboten.