KÜS: Hände weg von Horrorreifen!
Schonungslos und unbestechlich sind sie vorgegangen, die Reifentester des KÜS. Die Prüfer der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V. haben sich 6 Low-Budget-Modelle der Kategorie Ganzjahresreifen in der Dimension 205/55 R16 zur Brust genommen und sind zu schockierenden Ergebnissen gekommen: “Ganzjahres-Billigreifen können in kritischen Situationen teilweise lebensgefährlich sein.” Ein entscheidendes Kriterium für dieses Urteil waren die Nässe-Bremsversuche auf dem Dunlop-Testgelände in Wittlich. Da brauchten die Probanden aus Asien deutlich längere Wege als der Referenzreifen Goodyear Vector 4Seasons Gen-3, im Testbericht recht kryptisch abgekürzt mit V4SG3.

Erschreckende Ergebnisse lieferte der Reifentest des KÜS bei Ganzjahresreifen aus Asien. Beim schlimmsten Modell brauchte das Testfahrzeug Golf rund zehn Meter länger zum Stillstand als mit dem Referenzreifen von Goodyear.
Ganzjahresreifen im Trend
Das dürfte Verbraucher durchaus schocken, denn Ganzjahresreifen erleben derzeit eine Art Boom. Immer mehr Autofahrer sind in den letzten Jahren auf Reifen dieser Spezies umgestiegen. Der Kostenvorteil: Der zweimal im Jahr fällige Reifenwechsel fällt weg, ebenso wie die nicht gerade billige Anschaffung eines zweiten Radsatzes inklusive der RDKS-Sensoren. Eventuelle Einlagerungs- und Montagekosten entfallen ebenfalls. Auch der Neuwagenkäufer kann schon viele Modelle gleich mit Ganzjahresreifen ordern. Und das Wetter tut hierzulande durch den Wandel im Klima ein Übriges: In vielen schneearmen Regionen kommt eine durchgehende Schneedecke kaum noch vor oder ist nicht von langer Dauer. Kein Wunder also, dass Hersteller aus aller Welt an diesem Trend teilhaben wollen und auf dem europäischen Markt mittlerweile zahlreiche Produkte für kleines Geld anbieten. So haben die Low-Budget-Pneus nach Expertenmeinung mittlerweile einen Marktanteil von 20 Prozent erreicht.
Der Test: Reifenauswahl und Prüfkriterien
Für die KÜS ist das Grund genug, sich der Sache anzunehmen: Genau solchen Angeboten fühlt die Sachverständigenorganisation auf den Puls. Es geht nicht darum, Ganzjahresreifen generell die Qualität abzusprechen, sondern sie nehmen die Billig-Angebote aus dem Low-Budget-Segment unter die Lupe. Und zwar ganz zu Recht, wie sich herausstellt.
Bei der Auswahl der Testkandidaten stoßen wir auf keine großen Namen. Einzig der Apollo Alnac 4G – ein indischer Hersteller und Besitzer der Marke Vredestein – verfügt über eine geringe Bekanntheit. Aber Namen wie Berlin AllSeason1 oder Imperial All Season Driver, Ovation VI-782 AS, Blacklion 4Seasons Eco BL45 und Superia Ecoblue sind weithin unbekannt, besonders was Herkunft und Performance angeht. Und der Test zeigt, wie schlecht Reifen sein können, die mit durchaus vielversprechenden Namen daherkommen.
Dazu führen die KÜS-Tester gar kein groß angelegtes Testprogramm mit Fahrversuchen auf Schnee und auf trockenem Asphalt durch. Sondern sie beschränken sich auf dem Dunlop-Testgelände in Wittlich auf die entscheidenden Disziplinen auf Nässe. Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Aquaplaning quer, Nasshandling und Nassbremsen. Wobei es durchaus bekannt ist, dass asiatische Reifen schon traditionell genau hier ihre große Schwäche haben. Das zeigen viele Tests. Die KÜS legt also den Finger genau in die offene Wunde von Importreifen aus Asien.
Ergebnis: Vernichtend
Und diese Wunde blutet immer noch heftig. Keiner der genannten Testkandidaten kann mit dem Premiumreifen mithalten. Außerdem: “Extrem lange Bremswege und Handlingprobleme werden schnell zur Gefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer”, urteilt der Testbericht. Beim Queraquaplaning mit 7 mm Wasserfläche und 80 km/h bleibt der Referenzreifen auf der Spur, während alles andere aufschwimmt und nicht auf Kurs gehalten werden kann. Im Ernstfall landet die Fuhre im Graben – wenn’s gut ausgeht. Kein Wunder also, dass die Asia-Pneus auch beim Nasshandling gegen den aktuellen Goodyear Vector 4Seasons keine Schnitte sehen. Schon beim Anfahren lassen die Low-Budget-Pneus die Räder durchdrehen. Traktion und Seitenführung sind Fehlanzeige, Dreher bei Lastwechseln inklusive. Das ist nur schwer beherrschbar im normalen Straßenverkehr.
Fazit: Hände weg!
So ist das Testurteil niederschmetternd bis vernichtend: Wer nur auf den Preis schaut, spart am falschen Fleck. Der Rat der KÜS-Experten ist denkbar knapp: “Hände weg von Billigreifen!”. Als Tipp: Eine wesentlich besser und vor allem Sicherer Alternative findet sich hier:
--> AutoBild Ganzjahresreifentest 2020 <--