Wer neue Reifen kauft, muss vorher die zulässige Reifengröße kennen – sonst passt der Reifen nicht auf die Felge oder ist gar nicht für das Fahrzeug zugelassen. Die Größe steht im Fahrzeugschein, in den CoC-Papieren (EG-Übereinstimmungsbescheinigung) und auf der Reifenflanke selbst. Welche dieser Quellen dir welche Information gibt, wann eine Eintragung nötig wird und wie du die Bezeichnung 205/55 R16 91V richtig liest – das klärt der folgende Ratgeber.

Reifengröße ermitteln: drei Wege zur richtigen Dimension
Bevor du dich für neue Reifen entscheidest, brauchst du drei Werte: Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser. Diese Angaben findest du an drei Stellen – im Fahrzeugschein, in den CoC-Papieren und direkt am Reifen. Jede Quelle hat ihren eigenen Zweck: Der Fahrzeugschein zeigt eine zugelassene Größe, die CoC-Papiere listen alle erlaubten Alternativen, und der Reifen selbst verrät dir, was aktuell montiert ist.
Reifengröße im Fahrzeugschein ablesen (Felder 15.1 und 15.2)
Der Fahrzeugschein – offiziell Zulassungsbescheinigung Teil 1 – ist die wichtigste Quelle. Die zugelassene Reifengröße steht unter den Punkten 15.1 (Vorderachse) und 15.2 (Hinterachse).
| Beispielangabe | Bedeutung |
|---|---|
| 205/55 R16 |
|
In modernen Fahrzeugpapieren ist meist nur eine einzige Reifengröße eingetragen. Weitere zulässige Größen findest du in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung, kurz CoC-Papiere.
Alter Fahrzeugschein vor 2005: Reifengröße in Feld 20 bis 23
Wurde dein Auto vor Oktober 2005 erstmals zugelassen, hast du eventuell noch den alten Fahrzeugschein. Die Reifendimensionen stehen dort in den Feldern 20 bis 23.
- Mehrere Größen durften gleichzeitig eingetragen sein.
- Alle dort aufgeführten Größen darfst du ohne zusätzliche Eintragung fahren.
- Änderungen oder Sonderfelgen mussten im Feld 22 vermerkt sein.
Bei älteren Fahrzeugen lohnt sich also ein Blick in diese Felder – oft sind dort alternative Reifengrößen angegeben, die heute noch gültig sind.
Reifenbezeichnung direkt am Reifen ablesen
Die dritte Möglichkeit: Du liest die Reifengröße direkt von der Seitenwand ab. Dort steht die komplette Reifenbezeichnung – inklusive Lastindex (Tragfähigkeit), Geschwindigkeitsindex und DOT-Nummer (Herstellungsdatum). Was die DOT-Nummer verrät und warum sie beim Reifenkauf wichtig ist, kannst du im Beitrag Was die DOT-Nummer über den Reifen verrät nachlesen.
Beispiel: 205/55 R16 91V
| Bestandteil | Bedeutung |
|---|---|
| 205 | Reifenbreite in Millimetern |
| 55 | Querschnitt: Höhe zu Breite in Prozent |
| R | Bauart – „R" steht für Radialreifen |
| 16 | Felgendurchmesser in Zoll |
| 91 | Lastindex (LI): maximale Tragfähigkeit je Reifen |
| V | Geschwindigkeitsindex (SI): maximal zulässige Geschwindigkeit |
Achte darauf, dass alle vier Reifen dieselbe Bauart haben. Eine Mischbereifung aus Radial- und Diagonalreifen ist nicht erlaubt.
Tipp: Reifenaufbau verstehen
Ein Reifen besteht aus mehreren Schichten – Karkasse, Gürtel, Laufflächengummi, Innenseele. Wie diese Bauteile zusammenspielen und warum der Reifenquerschnitt nicht nur kosmetisch wirkt, erklärt Die Anatomie des Reifens Schritt für Schritt.
CoC-Papiere: zulässige Reifengrößen aus der EG-Übereinstimmungsbescheinigung
Nicht alle erlaubten Reifengrößen stehen im Fahrzeugschein. Seit der neuen Zulassungsbescheinigung Teil 1 (ab 2005) ist dort meist nur noch eine einzige Reifengröße eingetragen. Viele Fahrzeuge dürfen aber mehrere Größen fahren – welche genau, verrät die EG-Übereinstimmungsbescheinigung, kurz CoC-Papiere (Certificate of Conformity).
Wer eine alternative Größe ohne Eintragung fahren will, kommt an dieser Bescheinigung nicht vorbei. Dort sind alle vom Hersteller genehmigten Reifen- und Felgendimensionen aufgeführt.
Was die CoC-Bescheinigung enthält und warum sie Reifengrößen freigibt
Die CoC-Bescheinigung ist ein offizielles Dokument des Fahrzeugherstellers. Sie bestätigt, dass dein Fahrzeug den europäischen EG-Richtlinien entspricht. Festgehalten sind alle technischen Daten, die für die EU-Zulassung relevant sind – darunter:
- Fahrzeugtyp und Varianten
- Motordaten und Emissionswerte
- Achslasten und zulässiges Gesamtgewicht
- alle genehmigten Reifengrößen und Felgenmaße
Beim Fahrzeugkauf bekommst du die CoC-Papiere automatisch dazu. Fehlen sie, kannst du sie beim Hersteller nachträglich anfordern. Die Kosten liegen je nach Marke meist zwischen 50 und 200 Euro.
Welche Reifengröße ohne Eintragung erlaubt ist (CoC-Punkte 32 und 50)
Im CoC-Dokument findest du die zulässigen Reifengrößen unter Punkt 32. Bereifung der Räder sowie unter 50. Bemerkungen. Typische Angaben sehen so aus:
| Abschnitt | Beispielangabe | Bedeutung |
|---|---|---|
| 32. Bereifung der Räder | 205/55 R16 – 91V | Standardgröße laut Hersteller |
| 50. Bemerkungen | 225/45 R17 – 91W | alternative, ebenfalls genehmigte Größe |
Steht deine Wunschgröße im CoC-Dokument, brauchst du keine TÜV-Abnahme und keine Eintragung. Fehlt sie dort, geht es nur über eine Einzelabnahme bei TÜV, Dekra oder GTÜ mit anschließendem Eintrag in die Fahrzeugpapiere.
CoC-Datenbank: wo du fehlende Reifengrößen-Daten anforderst
Wenn die CoC-Bescheinigung nicht mehr auffindbar ist, gibt es zwei Wege: direkt beim Fahrzeughersteller oder über eine autorisierte Werkstatt. Viele Marken bieten inzwischen digitale CoC-Datenbanken, über die du Fahrzeugdaten online abrufen kannst.
| Hersteller | Zugriff auf CoC-Daten | Hinweis |
|---|---|---|
| VW, Audi, Skoda, Seat | Online-Anforderung über Herstellerportal | Kosten ca. 60–150 € |
| BMW, Mercedes, Opel | Antrag über Kundenservice oder Händler | Bearbeitungszeit ca. 1–2 Wochen |
| Peugeot, Renault, Citroën | Per Formular auf der Website | teilweise kostenlos |
Tipp: Fahrgestellnummer bereithalten
Beim Antrag auf eine CoC-Bescheinigung brauchst du die Fahrgestellnummer (FIN). Sie steht im Fahrzeugschein und auf der Fahrzeugplakette unter der Motorhaube. Damit ordnet der Hersteller dein Auto eindeutig zu.
Reifenbezeichnung erklärt: was Zahlen und Buchstaben auf dem Reifen bedeuten
Auf jeder Reifenflanke steht eine Zeichenfolge wie 205/55 R16 91V. Diese Reifenbezeichnung enthält alles, was du über den Reifen wissen musst: Breite, Querschnitt, Bauart, Felgendurchmesser, Lastindex und Geschwindigkeitsindex. Wer die Logik kennt, sieht in fünf Sekunden, ob ein Reifen zum Fahrzeug passt.
Reifenbreite, Querschnitt und Felgendurchmesser im Detail
Die ersten Zeichen einer Reifenbezeichnung beschreiben die geometrischen Maße. Sie entscheiden, ob der Reifen physikalisch auf die Felge passt und ob er ins Radhaus passt.
| Teil der Bezeichnung | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| 205 | 205/55 R16 | Reifenbreite in Millimetern (gemessen von Seitenwand zu Seitenwand) |
| 55 | 205/55 R16 | Querschnittsverhältnis von Seitenwandhöhe zur Breite in Prozent (hier 55 %) |
| R | 205/55 R16 | Bauart – R steht für Radialreifen |
| 16 | 205/55 R16 | Felgendurchmesser in Zoll |
Ein niedriger Querschnitt (z. B. 40 statt 55) bedeutet eine flachere Seitenwand. Das sieht sportlicher aus, dämpft aber Schlaglöcher schlechter ab und beansprucht die Felge stärker.
Lastindex und Geschwindigkeitsindex richtig deuten
Hinter Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser folgen zwei kleine Werte mit großer Wirkung: der Lastindex (LI, auch Traglastindex) und der Geschwindigkeitsindex (SI). Beide stehen im Fahrzeugschein und müssen mindestens dem dort eingetragenen Wert entsprechen.
| Kennzeichnung | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| 91 | 205/55 R16 91V | Lastindex – maximale Last je Reifen (91 = 615 kg) |
| V | 205/55 R16 91V | Geschwindigkeitsindex – maximal zulässige Geschwindigkeit (V = 240 km/h) |
Reifen mit niedrigerem Index als im Fahrzeugschein oder CoC-Dokument angegeben sind nicht zulässig. Ein höherer Index ist erlaubt, beeinflusst aber Fahrkomfort und Preis.
| Geschwindigkeitsindex | Max. Geschwindigkeit |
|---|---|
| T | bis 190 km/h |
| H | bis 210 km/h |
| V | bis 240 km/h |
| W | bis 270 km/h |
| Y | bis 300 km/h |
Radialreifen oder Diagonalreifen: Bauart der Reifen erkennen
Der Buchstabe R in der Bezeichnung steht für Radialreifen – das ist heute Standard bei allen Pkw. Diagonalreifen findest du fast nur noch an Oldtimern, Motorrädern oder Landmaschinen. Die Bauart entscheidet, wie sich der Reifen verformt, wie warm er wird und wie stabil er bei hoher Geschwindigkeit bleibt.
| Bauart | Kennzeichnung | Merkmale |
|---|---|---|
| Radialreifen | „R" (z. B. 205/55 R16) | Karkassfäden verlaufen quer zur Fahrtrichtung; stabil, langlebig, heute Pkw-Standard |
| Diagonalreifen | „D" oder keine Kennzeichnung | Fäden verlaufen diagonal über Kreuz; weicher, weniger stabil – heute fast nur an Oldtimern |
Zulässige Reifengröße wechseln: Reifenfreigabe und TÜV-Abnahme
Nicht jede Reifengröße darfst du einfach montieren. Hersteller stimmen die zugelassenen Dimensionen auf Gewicht, Leistung und Fahrverhalten ab. Wer eine andere Größe fahren möchte, kann das tun – aber nur unter klaren Bedingungen: entweder steht die Größe in den CoC-Papieren, oder sie braucht eine Einzelabnahme.
TÜV-Abnahme oder Eintragung – wann sie für die Reifengröße Pflicht wird
Wer im CoC-Dokument prüft, ob die Wunschgröße aufgeführt ist, spart sich oft den Aufwand einer Einzelabnahme. Die Faustregel:
- Im CoC gelistet: Reifengröße darf ohne zusätzliche Eintragung gefahren werden.
- Nicht im CoC gelistet: Einzelabnahme bei TÜV, Dekra oder GTÜ erforderlich.
Eine Einzelabnahme wird in folgenden Fällen Pflicht:
- Die neue Reifendimension ist weder im CoC noch im Fahrzeugschein eingetragen.
- Du wechselst auf eine andere Felgenbreite oder Einpresstiefe (ET).
- Der Abrollumfang ändert sich um mehr als ±2 %.
- Reifen stehen sichtbar über die Radkästen hinaus.
Eine geänderte Reifengröße beeinflusst auch den Tacho. Wenn der Abrollumfang nicht stimmt, zeigt das Tachometer eine falsche Geschwindigkeit – das wird beim TÜV-Prüfprozess mitkontrolliert.
Folgen einer nicht eingetragenen Reifengröße
Wer mit einer unzulässigen Reifengröße unterwegs ist, riskiert mehr als ein Bußgeld. Im schlimmsten Fall erlischt die Betriebserlaubnis – und damit auch der Versicherungsschutz.
- Betriebserlaubnis: kann bei unzulässiger Reifengröße erlöschen.
- Bußgeld: bis zu 100 € sowie 1 Punkt in Flensburg möglich.
- Versicherung: Im Schadenfall darf die Kfz-Versicherung Leistungen kürzen oder verweigern, wenn das Fahrzeug nicht den zulässigen Vorschriften entsprach.
- Fahrverhalten: ABS, ESP und Fahrstabilitätssysteme können beeinträchtigt werden. Hinzu kommen ungleichmäßiger Verschleiß und längere Bremswege.
Reifenfreigabe und Unbedenklichkeitsbescheinigung beschaffen
Für alternative Reifengrößen brauchst du eine Reifenfreigabe oder Unbedenklichkeitsbescheinigung. Sie dokumentiert, dass die gewählte Größe technisch zu deinem Fahrzeug passt. Drei Bezugsquellen sind üblich:
| Quelle | Art der Bescheinigung | Kosten (ca.) | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Reifenhersteller | Reifenfreigabe | kostenlos | meist als PDF-Download |
| Fahrzeughersteller | CoC oder Unbedenklichkeitsbescheinigung | 50–200 € | abhängig von Marke und Baujahr |
| TÜV / Dekra | Einzelabnahme | 40–80 € | Pflicht bei nicht gelisteten Größen |
Bewahre Reifenfreigaben und CoC-Papiere im Auto auf. Bei Verkehrskontrollen und der Hauptuntersuchung musst du sie vorlegen können – sonst gilt das Fahrzeug formal als nicht vorschriftsmäßig.
Wenn du jetzt die passende Reifengröße kennst und Reifen suchst, die zu deinem Fahrzeug passen, findest du sie direkt über die PLZ-Umkreissuche bei reifen-vor-ort.de – inklusive lokalem Montagepartner.
Häufige Fragen zu Reifengröße, CoC-Papieren und Reifenfreigabe
Ja. Im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil 1) steht unter den Punkten 15.1 und 15.2 mindestens eine zugelassene Reifengröße. Seit 2005 ist dort meist nur noch eine Größe vermerkt – alle weiteren zulässigen Dimensionen findest du in den CoC-Papieren.
Du darfst alle Reifengrößen ohne zusätzliche Eintragung fahren, die entweder im Fahrzeugschein stehen oder in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung (CoC) unter den Punkten 32 oder 50 aufgeführt sind. Alles, was dort nicht steht, braucht eine Einzelabnahme bei TÜV, Dekra oder GTÜ.
Direkt beim Fahrzeughersteller oder über eine Vertragswerkstatt. Viele Hersteller bieten ein Online-Formular oder ein digitales Kundenportal an. Halte deine Fahrgestellnummer (FIN) bereit. Die Kosten liegen je nach Marke meist zwischen 50 und 200 Euro, die Bearbeitung dauert ein bis zwei Wochen.
205 ist die Reifenbreite in Millimetern, 55 das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent, R steht für Radialreifen, 16 ist der Felgendurchmesser in Zoll. 91 ist der Lastindex (615 kg pro Reifen), V der Geschwindigkeitsindex (bis 240 km/h).
Es drohen bis zu 100 € Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Schwerer wiegt das Risiko, dass die Betriebserlaubnis erlischt und die Kfz-Versicherung im Schadenfall Leistungen kürzt oder verweigert. Außerdem können ABS, ESP und der Tacho fehlerhaft arbeiten.
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