Zwei Reifensätze, zwei Werkstatttermine im Jahr und ein Lagerplatz für die Räder, die gerade nicht montiert sind: Genau das wollen viele Autofahrer sich sparen. Allwetterreifen versprechen eine Lösung dafür, sind aber nicht für jedes Fahrprofil gleich gut geeignet. Wichtig sind vor allem drei Dinge: die richtige Kennzeichnung auf der Reifenflanke, die aktuelle Rechtslage und ein ehrlicher Blick auf die Nachteile gegenüber Sommer- und Winterreifen.
Unterschied zwischen Allwetterreifen, Sommerreifen und Winterreifen
Allwetterreifen vereinen Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen, können aber in beiden Bereichen nicht ganz mithalten. Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.
Allwetterreifen für dein Auto in deiner Nähe finden
Sommerreifen, Winterreifen und Allwetterreifen im direkten Vergleich
| Reifentyp | Eigenschaften | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Sommerreifen | Härtere Gummimischung für warme Temperaturen | Kurze Bremswege bei Nässe und Trockenheit | Kaum Grip bei Schnee und Eis |
| Winterreifen | Weiche Mischung, Lamellenprofil für Schnee und Eis | Kurze Bremswege bei Glätte | Höherer Verschleiß im Sommer, lautere Fahrgeräusche |
| Allwetterreifen | Kompromiss aus beiden Mischungen, teils Lamellenprofil | Kein Reifenwechsel nötig, Kosten- und Platzersparnis | Längerer Bremsweg, schnellerer Verschleiß bei Extremtemperaturen |
Ganzjahresreifen: ein anderer Name für Allwetterreifen
Ganzjahresreifen und Allwetterreifen bezeichnen denselben Reifentyp. In Deutschland hat sich in Fachkreisen eher Ganzjahresreifen durchgesetzt, während Hersteller in der Werbung oft von Allwetterreifen oder All Season sprechen. Für deine Kaufentscheidung spielt der Name keine Rolle, wichtig sind die Kennzeichnung auf der Flanke und die Eignung für dein Fahrprofil.
Woran du Allwetterreifen erkennst
Beim Reifenkauf helfen dir zwei Dinge weiter: die Beschriftung auf der Reifenflanke und ein Symbol, das über die reine Bezeichnung hinaus etwas über die tatsächliche Wintertauglichkeit aussagt.
Allwetterreifen an der Reifenflanke erkennen
Allwetterreifen tragen häufig Begriffe wie "All Season", "All Weather" oder "4 Seasons" auf der Flanke. Manche Hersteller ergänzen das mit einer Sonne neben einer Schneeflocke. Diese Bezeichnungen allein sagen aber noch nichts über die Wintertauglichkeit nach aktueller Rechtslage aus.
Alpine-Symbol und M+S-Kennzeichnung bei Allwetterreifen
Früher reichte die M+S-Kennzeichnung ("Matsch und Schnee") aus, um einen Reifen als winterfähig zu bezeichnen. Verlässlich ist heute nur noch das Alpine-Symbol, ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch als 3PMSF bekannt. Was das Symbol genau bedeutet und woran du es von reinen M+S-Reifen unterscheidest, erklärt der Beitrag zum Schneeflocken-Symbol bei Winterreifen.
Verpasse keine News mehr
Favorisiere Reifen-vor-Ort bei Google, um künftig häufiger unsere neuesten Inhalte und News angezeigt zu bekommen. Einfach Link öffnen und Auswahl bestätigen: Reifen-vor-Ort bei Google favorisieren
Gesetzliche Vorschriften für Allwetterreifen: Alpine-Symbol und Winterreifenpflicht
In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Sobald winterliche Straßenverhältnisse auftreten, etwa Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Reifglätte, sind nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol zulässig. Details dazu, wann genau diese Pflicht greift, findest du im Beitrag zur aktuellen Winterreifenpflicht.
Seit wann das Alpine-Symbol für Allwetterreifen Pflicht ist
Seit dem 1. Januar 2018 müssen neu produzierte Winter- und Allwetterreifen das Alpine-Symbol tragen, um offiziell als wintertauglich zu gelten. Für ältere Reifen mit reiner M+S-Kennzeichnung, die vor diesem Datum hergestellt wurden, gab es eine Übergangsfrist.
Was seit Oktober 2024 für ältere Allwetterreifen gilt
Diese Übergangsfrist ist ausgelaufen. Seit dem 1. Oktober 2024 sind bei winterlichen Bedingungen nur noch Allwetterreifen mit Alpine-Symbol erlaubt, unabhängig davon, wann sie hergestellt wurden. Reifen mit alleiniger M+S-Kennzeichnung darfst du bei Glätte und Schnee seitdem nicht mehr fahren, selbst wenn sie technisch noch in Ordnung sind.
Für wen sind Allwetterreifen sinnvoll?
Ob sich Allwetterreifen für dich lohnen, hängt weniger vom Auto ab als von deinem Fahrprofil: wie viel du fährst, wo du fährst und wie häufig du mit echtem Winterwetter rechnen musst.
Allwetterreifen sinnvoll für Wenigfahrer und Stadtverkehr
Allwetterreifen eignen sich besonders für Autofahrer, die in Regionen mit mildem Klima unterwegs sind, pro Jahr nur wenige tausend Kilometer fahren oder hauptsächlich in der Stadt bewegt werden, wo Straßen im Winter meist schnell geräumt sind. Auch für einen Zweitwagen, der nicht täglich genutzt wird, ist die ganzjährige Bereifung praktisch, weil der halbjährliche Wechseltermin entfällt.
Wann Winterreifen oder Sommerreifen die bessere Wahl sind
Bei starkem Schneefall oder Glatteis kommen Allwetterreifen an ihre Grenzen: längerer Bremsweg, weniger Grip als bei spezialisierten Winterreifen. Wer regelmäßig in bergigen Regionen oder auf ungeräumten Landstraßen unterwegs ist, fährt mit echten Winterreifen sicherer. Wie groß der Unterschied konkret ausfällt, zeigt der direkte Vergleich zwischen Ganzjahresreifen und Winterreifen. Bei viel Autobahnkilometern im Sommer gilt dasselbe umgekehrt: Der Vergleich zu reinen Sommerreifen zeigt, wo Allwetterreifen bei Bremsweg und Verschleiß zurückliegen.
Vor- und Nachteile von Allwetterreifen im Überblick
Kein Reifentyp ist per se die beste Wahl. Die folgende Übersicht fasst zusammen, wo Allwetterreifen im Alltag punkten und wo sie an ihre Grenzen stoßen.
Vorteile von Allwetterreifen im Alltag
Der größte Vorteil ist der gesparte Aufwand: kein halbjährlicher Werkstatttermin, keine Kosten für die Einlagerung und kein Platzproblem, wenn Keller oder Garage ohnehin knapp bemessen sind. Für Wenigfahrer und Stadtfahrer mit mildem Winterklima rechnet sich das häufig, weil ein Satz Reifen über die gesamte Nutzungsdauer ausreicht.
Nachteile von Allwetterreifen gegenüber Sommer- und Winterreifen
Der Kompromiss zeigt sich vor allem bei Extrembedingungen: längerer Bremsweg auf Schnee und Eis, schnellerer Verschleiß bei Sommerhitze und insgesamt weniger Fahrstabilität als bei spezialisierten Reifen. Wie stark sich das auf die Lebensdauer auswirkt und woran du erkennst, wann ein Wechsel wirklich fällig ist, erklärt der Beitrag zur Haltbarkeit von Ganzjahresreifen.
Allwetterreifen auswählen: Darauf kommt es beim Kauf an
Wenn du dich für Allwetterreifen entscheidest, achte beim Kauf auf zwei Dinge: das Alpine-Symbol auf der Flanke und ein Produktionsdatum, das nicht zu weit zurückliegt. Beides erkennst du direkt an der DOT-Nummer. Danach geht es nur noch um die passende Größe und einen Händler, bei dem Reifen und Montage zusammenpassen.
Praxistipp beim Kauf
Lass dir beim Händler die DOT-Nummer der Reifen zeigen, bevor du dich entscheidest. Reifen, die länger als 24 Monate im Lager standen, sind zwar oft günstiger, altern aber bereits im Stand.
Jetzt Werkstatt für die Montage in deiner Nähe finden
Häufig gestellte Fragen zu Allwetterreifen
Das hängt von deinem Fahrprofil ab. Für Wenigfahrer, Stadtfahrer und Autofahrer in Regionen mit mildem Winterklima sind Allwetterreifen meist eine sinnvolle Lösung. Wer viel Autobahn fährt oder regelmäßig mit starkem Schneefall rechnen muss, ist mit getrennten Sommer- und Winterreifen besser beraten.
Allwetterreifen tragen auf der Flanke Bezeichnungen wie "All Season", "All Weather" oder "4 Seasons". Entscheidend für die Wintertauglichkeit ist aber nicht die Bezeichnung, sondern das Alpine-Symbol, ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke.
Ja, sofern sie das Alpine-Symbol tragen. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten Reifen mit alleiniger M+S-Kennzeichnung bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr als zulässig, unabhängig vom Herstellungsdatum.
Allwetterreifen haben bei Schnee und Eis einen längeren Bremsweg als Winterreifen und nutzen sich im Sommer schneller ab als reine Sommerreifen. Als Kompromissreifen erreichen sie in keiner Jahreszeit die Leistung eines spezialisierten Reifens.
Am meisten profitieren Autofahrer mit geringer Jahreskilometerleistung, überwiegend städtischem Fahrprofil und mildem Winterklima. Auch für Zweitwagen, die selten bewegt werden, ist die ganzjährige Bereifung praktisch.


